Als im Jahre 1967 der erste Markt zeitgenössischer Kunst in Köln stattfand, da hatten die Gründer (unter ihnen die Kölner Galeristen Hein Stünke und Rudolf Zwirner) die damals völlig neue und heftig umstrittene Vorstellung, ein neues Publikum für die Kunst zu gewinnen. „Immer hereinspaziert“, hieß die Devise, man konnte in die Kojen kommen, Bilder anschauen, in Graphikmappen blättern. Dem 22. Internationalen Kunstmarkt, seit einigen Jahren „Art Cologne“ genannt, der vom 10. bis 16. November in Köln stattfand, ist diese ganze Vergangenheit vollständig abhanden gekommen. Verständlich, denn die Kunst gehört inzwischen zu den Wachstumsindustrien, und Köln muß sich im Rennen mit den Nachfolgern in Basel, Chicago, Paris, Madrid und Los Angeles behaupten. Lange vorbei die Zeiten, wo man für ein paar hundert Mark eine Graphik kaufen konnte. Jetzt blättert man ein paar tausend Mark hin für eine Arbeit eines sehr jungen Künstlers, von dem es heißt, er sei im Aufwind. Und darf für ein Beuys-Portrait auf einer Camouflage-Leinwand von Andy Warhol eine Million Dollar entrichten. Wer aber nicht gleich Zugriff, der durfte sich später wundern: nachdem aus New York die Auktionsergebnisse zeitgenössischer Kunst bei der Christie-Auktion durchtelephoniert waren, änderten manche Händler rasch die Preise nach oben: in einzelnen Fällen bis zu 200 000 Mark. Wer so viel spart (oder zahlt), der hat die hundert Mark, die das Eintrittsbillett zum Eröffnungsabend kostete, natürlich gut angelegt. Eine „Benefiz-Eröffnung“ nannte sich das Ganze, und der Ertrag, 120 000 Mark, ging als Spende an das heimische Museum Ludwig – zwecks Anschaffung eines Kunstwerks auf dem Kölner Kunstmarkt. Zu empfehlen wäre da ein Komposit-Werk von Klassik und Moderne, das auf dem Stand der Brüsseler Galerie Isy Brachot nicht zu sehen war und freilich noch ein kleines Aufgeld erfordert: der belgische Künstler Leo Copers hat da vier Werke aus dem Depot der Galerie hinter einem Vorhang versteckt. Wer diesen zurückzog, sah Bilder von James Ensor, Magritte, Spillaert und einem Arcimboldo-Nachfolger. Vorhang auf! „Ich habe gar kein großes Interesse, hier etwas zu verkaufen“, gab ein Händler zu. „Ich kaufe ein, mache Kontakte.“ So sahen es viele. Und das Publikum ging staunend vorbei. Kunst kaum für Käufer, sondern für Verkäufer. P.K.