Große Pläne hat die Bundesbahn für die nächsten Jahre, manche sogar zusammen mit der Lufthansa.

Die Konkurrenz um den Kunden ist bei Bundesbahn und Lufthansa längst kollegialer Kooperation gewichen. Da fahren Urlauber zum Sonderpreis mit dem Zug zum Flughafen, und gestreßte Geschäftsreisende genießen längst die Fahrt im Airport-Expreß, statt über Düsseldorf oder Frankfurt die Warteschleifen zu zählen. Nun soll ein neues Pilotprojekt zwischen Bahn und Lufthansa sogar helfen, den berstend vollen Luftraum über München freizubekommen.

Bis zum April nächsten Jahres können Lufthansa-Kunden, deren Jet von Frankfurt aus ins Ausland startet, bei der Buchung für die innerdeutsche Strecke zwischen Bahn und Flug wählen. Wer den Flugschein voll bezahlt, also Business oder First Class fliegt, der sitzt auch im Intercity in der ersten Klasse, Sondertarif-Gäste fahren zweiter.

In München ist außerdem eine zweite Neuerung geplant: Demnächst wird die Lufthansa im Hauptbahnhof einen Schalter öffnen, an dem Flugreisende, ihr Gepäck loswerden und die Weiterfahrt mit dem Airport-Bus nur noch mit Handgepäck und Bordkarte antreten können.

Geradezu verwegen nehmen sich die langfristigen Pläne der Bahn aus. Bahn-Verkaufschef Hemjö Klein wünscht sich für den Anfang der neunziger Jahre einen „Last-Minute-Verkauf freigebliebener Plätze“ zum Sonderpreis. Doch dazu braucht es zuerst einmal ein Reservierungssystem, das zu jeder Zeit und an jedem Ort den Überblick über verkaufte und freie Plätze pro Strecke erlaubt.

In den Schubladen existiert sogar schon ein europaweiter Plan: Das Railway Distribution System (RDS) soll die Offerten und den Buchungsstand von zwei Dutzend Bahnen zeigen. Doch bislang planten bereits die Vorgespräche.

Die deutsche Bahn zumindest hält Kurs auf „Kurs 90“, was „kundenfreundliches Reise-Informations- und Verkaufs-System der 90er Jahre“ bedeutet. Bis zum Jahresende sollen 800 der insgesamt 1100 neuen Verkaufscomputer in 543 Fahrkartenausgaben installiert sein. Sie erfüllen alle Wünsche der vom Schlangestehen genervten Bahnkunden auf einmal, denn die Automaten geben Fahrplanauskünfte, buchen Abteil-, Bett- oder Platzkarten und haben sogar sämtlich eine „Best Choice Taste“ – wer sie drückt, der erfährt den jeweils günstigsten Tarif. Hannah Glaser