Die Gewerkschaften haben nach langem Suchen Käufer für ihren Versicherungskonzern gefunden

Von Ludwig Siegele

Knapper konnte die Presseerklärung kaum sein: „Zu dem Bericht des Spiegel nimmt die BGAG keine Stellung“, ließ die in Frankfurt ansässige Gewerkschaftsholding wissen. Sie bestätige nur, „daß mit der Aachener und Münchener Beteiligungs-Aktiengesellschaft und der Gruppo Fondiaria – ebenso wie mit anderen Kaufinteressenten einer Beteiligung an der Volksfürsorge – Gespräche geführt werden“.

Die dürren Zeilen hätte sich die BGAG auch sparen können. Denn seit Anfang der Woche ist klar: Diesmal wird die Volksfürsorge wohl tatsächlich verkauft. Die Aachener und Münchener Beteiligungs-AG (AMB) und die in Florenz ansässige italienische Versicherungsgruppe Fondiaria werden mit jeweils 25 Prozent und einer Aktie bei dem liebevoll „Vofü“ genannten gewerkschaftseigenen Assekurranz-Unternehmen einsteigen.

Spätestens am Donnerstag dieser Woche wird auch die Gewerkschaftsholding den Deal wohl offiziell bestätigen. Punkt 17.30 Uhr – wahrscheinlich kurz nach Unterzeichnung des Kaufvertrags – werden sich der BGAG-Chef Hans Matthöfer, der AMB-Vorstandsvorsitzende Helmut Gies und ein Vertreter der Gruppo Fondiaria in der Kantine im Hochhaus der Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) der Presse stellen.

Die Zurückhaltung der BGAG so kurz vor dem Vertragsabschluß ist allerdings verständlich. Schon mehrmals schien ein Vofü-Verkauf unter Dach und Fach – und platzte schließlich doch noch. Zuletzt gab Helmut Guthardt, Chef der DG Bank, Matthöfer Mitte des Jahres im letzten Moment einen Korb. Der Genossenschafts-Banker wollte sich mit der weitgehenden Mitbestimmung und den hohen Gehältern bei der Vofü nicht abfinden.

Gewerkschaften brauchen Geld