Nach dem Willen von PLO-Chef Jassir Arafat soll die 19. Tagung des palästinensischen Nationalrates ein Wendepunkt auf dem Weg zu einer Lösung des Nahost-Konflikts sein. Vor dem Hintergrund des Volksaufstandes der Palästinenser in den israelisch besetzten Gebieten und dem Verzicht des jordanischen Königs Hussein auf das Westjordanland ist das „Exilparlament“ der Palästinenser in Algier zusammengetreten, um einen palästinensischen Rumpfstaat zu proklamieren, der an der Seite Israels existieren soll. Die Palästinenser sehen in der Zwei-Staaten-Lösung eine Möglichkeit zur Beilegung des arabisch-israelischen Konflikts und bekräftigen ihre Bereitschaft, eine friedliche Regelung im Rahmen einer internationalen Konferenz anzustreben. PLO-Chef Jassir Arafat sagte in der Eröffnungssitzung freilich: „Wir halten den Olivenzweig in der einen Hand, das Gewehr und den Stein jedoch in der anderen.“ Zugleich kündigte er an, daß der Volksaufstand in den besetzten Gebieten so lange fortdauern werde, bis „die palästinensische Flagge über den Kirchen und Minaretten von Jerusalem“ wehe.

Der Kongreß unterstreicht, daß die UN-Resolutionen 242 und 338 als Grundlage einer internationalen Nahost-Konferenz dienen sollen. Die Mehrheit der PLO-Fraktionen hat diese Beschlüsse bisher abgelehnt, weil die palästinensische Frage darin als reines Flüchtlingsproblem behandelt wird. Das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser bleibt unerwähnt. Die Vereinigten Staaten indes haben von der PLO seit jeher verlangt, die Resolutionen 242 und 338 zu akzeptieren, das Existenzrecht des Staates Israel zu bejahen und dem bewaffneten Kampf zu entsagen, wenn die PLO als Verhandlungspartner für eine Nahost-Regelung anerkannt werden wolle. M.P.