Der „traurige Prinz“ durfte sich an seinem 40. Geburtstag breiter Zustimmung der künftigen Untertanen erfreuen. Sogar die populistische Massenpresse stellte ihre garstigen Attacken gegen Philip Arthur George Charles, Prince of Wales, ein. Sie hatte ihn bis dahin mit Vorliebe als weltfernen, grünen Spinner portraitiert, den es zur Meditation in die Einsamkeit der Wüste Kalahari oder in die schottischen Hochlande trieb, statt daß er sich an der Seite seiner schönen modebewußten Frau im boomenden Großbritannien des Lebens erfreute.

Den Apologeten des materialistischen Zeitalters paßte es nicht, daß ein nachdenklicher, philosophisch angehauchter Thronfolger immer häufiger und schärfer gesellschaftliche Defizite und Fehlentwicklungen zur Sprache brachte. Charles machte sich zum Anwalt eines pfleglichen Umgangs mit der gefährdeten Natur, begab sich in die Slums und Gettos der britischen Innenstädte und geiselte Bauherren, Planer und Architekten ob ihrer inhumanen Betonbauten. Der Kapitänleutnant mit Sitz im House of Lords gilt als gebildeter, sensibler Mann. Er hatte einst Archäologie, Anthropologie und Geschichte in Cambridge studiert, ehe er zum Militär ging.

Heute scheint er in den Augen mancher Argwöhnischer in die Rolle des Verkünders eines neuen Zeitgeistes hineinzuwachsen. Dies wird ihm die Glitzerwelt der königlichen Seifenoper, in der Prinzessin Diana den Ton angibt, noch unbehaglicher erscheinen lassen. Dabei muß er sich wohl noch lange gedulden, bis er die Rolle übernehmen kann, die ihm von Geburt an zugedacht ist. Königin Elizabeth II. erfreut sich bester Gesundheit und ist von beinahe preußischem Pflichtbewußtsein erfüllt; sie wird den Thron mit Sicherheit nicht vorzeitig räumen. J.K.