Rob Wasserman: „Duets“

Das war eine gute Idee, nämlich den Kontrabaß aus dem Hintergrund nach vorn zu holen und ihn – nein, nicht die erste, aber die zweite Geige spielen zu lassen, gewissermaßen. Es hatte den in Jazz und Pop erfahrenen und wohlangesehenen Bassisten Rob Wasserman gereizt, sein von manchen überhörtes oder verkanntes Instrument einmal so klingen zu lassen, wie man es „nicht für möglich“ gehalten hat, zum Beispiel wie eine akustische Gitarre, eine Mandoline, ein Synthesizer-Kunstprodukt, es sogar schnarren zu lassen wie eine Bottleneck-Gitarre. Sein Baß singt, quietscht, wimmert, tremoliert – vor allem aber klingt er, mit den Fingern gezupft oder mit dem Bogen gestrichen, wie ein Kontrabaß, rund und kräftig und warm. Der Musiker beherrrscht sein Instrument. Nach und nach und hier und da gelang es ihm, die illustre Gesellschaft seiner prominenten Duopartner zusammen zu bringen. Bis auf den temperamentvoll swingenden alten Geiger Stephane Grappelli lauter Sänger. Es entstanden wunderschöne Duette, stille, lyrische, dramatische, ein jedes von ganz eigenem Wesen (und nur manchmal im Playback ergänzt, vorsichtig). Keiner versucht, sich aufzuspielen, im Gegenteil; es scheint, als wollten sie in dieser Kammermusik zeigen, wie sie am liebsten wären – Rickie Lee Jones so wie Lou Reed und Bobby McFerrin, Jennifer Warnes wie der lustige Dan Hicks und die bewegende Cheryl Bentyne (von Manhattan Transfer). Sie musizieren lauter klassische Jazz- und Pop-Stücke und machen sie auf eigenartige Weise neu – und anders. Welches das schönste Stück ist? Das, was man gerade hört. (MC Records/WEA 255 537-1)

Manfred Sack

Atahualpa Yupanqui: „Die Andengitarre“

Yupanqui ist der Sohn einer Baskin und eines Indianers; Anfang dieses Jahrhunderts wurde er in einem Dorf in der argentinischen Pampa geboren. Er hat ein Leben lang die Lieder seines Volkes gesammelt und mehr als fünfhundert neue Lieder geschrieben. Als Dichter und Sänger ist er in Argentinien schon jetzt eine Legende. Mit dieser Schallplatte lernen wir ihn als Gitarristen kennen, als jemanden, der mit der Gitarre singen kann, der mit haargenauen Phrasierungen und einer in Jahrzehnten geläuterten traditionellen Spielweise stets den bestimmten Gestus jedes Tanzes trifft, klangvoll und erhaben wie die Namen dieser lateinamerikanischen Tänze: Zambas, Vidalas, Milongas, Chacareras, Bagualas. Es sind schlichte, stille Gesänge, verdichtetes Aroma, wie in einer Trockenfrucht. Atahualpa Yupanqui ist kein Perfektionist, der richtige „Ton“, die rechte Stimmung ist ihm wichtig, und jedem Stück ist anzuhören, daß er es seit Jahren vorträgt, daß es beim Vortrag vor einem kundigen Publikum gereift ist. Die Gitarre sei das einzige Instrument, meint Yupanqui, das man ans Herz drücken muß, damit es den Landschaften der Musik und des Menschen Ausdruck gibt. Ihm selbst jedenfalls gelingt es auf seiner Andengitarre, mit wenigen Phrasen die Stimme eines Kontinents zu beschwören.

Martin Ahrends