Die Klimaforscher warnen – Umsteuern tut not

Von Reiner Klingholz

Vor 20 Jahren beschrieb der Club of Rome – aufgeschreckt durch die Bevölkerungsexplosion und die Ausbeutung der Rohstoffvorkommen – in apokalyptischen Bildern die "Grenzen des Wachstums".

Heute wissen wir, daß die unerhörten Ruhestörer aus Rom sich in vielen Punkten geirrt haben: Die Reserven der Erde werden wesentlich länger reichen, als man damals annehmen konnte. Doch dies ist ein schwacher Trost. Denn die Menschheit scheint – paradox genug – gerade deshalb an ihre Grenzen zu stoßen, weil von allem soviel da ist. Hemmungslos verbrennen und verschleudern wir die Reserven und laufen damit Gefahr, im selbstgeschaffenen Dreck zu ersticken.

Anzeichen für die Folgen der Ausbeutung und den Zerfall des Ökosystems Erde gibt es zuhauf – von der schleichenden Verseuchung des Grundwassers bis zu den Tonnen von Giftmüll, die viele Industrienationen nicht einmal mehr im eigenen Lande zu vergraben wagen. Ein weit schlimmeres Problem können wir vorerst nur abschätzen: Die Atmosphäre, jene dünne Gashülle, die irdisches Leben überhaupt erst ermöglicht, droht zu. einem Schirm zu werden, unter dem sich die Erde aufheizt wie ein Glashaus. Der "Treibhauseffekt" – dies war in der vergangenen Woche die einhellige Meinung aller Wissenschaftler auf der Hamburger Weltkonferenz "Klima und Entwicklung" – wird die Lufttemperaturen und die Meeresspiegel durch abschmelzendes Eis weltweit steigen lassen. Die Warmzeit wird ganze Küstenregionen ertränken, Ackerland verwüsten, die Klimazonen unkalkulierbar verschieben und das Artensterben dramatisch beschleunigen.

Die Ärmsten der Welt wird es am schlimmsten treffen. Sie werden sich am wenigsten der Veränderung der Umwelt anpassen können. Wer sich aber um seine Existenzgrundlage gebracht sieht, der wird dem Ort des Elends entfliehen. Wahre Völkerwanderungen von Ökoflüchtlingen und Klima-Asylanten werden den reichen Norden überfluten; Krisen der Dritten und Vierten Welt können zu Kriegen eskalieren. Auch das weltpolitische Klima wird sich schneller verändern, als es uns heute vorstellbar ist.

Es wird noch schlimmer kommen