Von Eva Marie von Münch

Dem Vater wird verboten, in irgendeiner Form Kontakt zu dem Kind aufzunehmen und sich auf weniger als 500 Meter dem Kind zu nähern. Für jeden Fall der Zuwiderhandlung gegen das vorstehende Verbot wird dem Vater hiermit ein Zwangsgeld in Höhe von 500 Mark angedroht.“ Die drakonischen Sätze aus der Entscheidung eines deutschen Amtsgerichts vom Oktober dieses Jahres hängen an der Pinnwand des Naturfreundehauses in Köln, als Anfang November ein neuer Verein gegründet wird. Er heißt: „Väteraufbruch für Kinder“. Untertitel: „Bundesinitiative für mehr Rechte für bessere Väter für unsere Kinder“.

Was verbirgt sich hinter diesen wolkigen Formulierungen? Die große Mehrzahl derer, die sich in Köln versammelten, um den Väteraufbruch via Vereinsregister zu beginnen, sind junge Männer. Sie haben mit ihrer Partnerin – der Mutter des gemeinsamen Kindes – einige Zeit ohne Trauschein zusammengelebt, dann trennten sie sich, meistens im Krach. Die Mutter zog aus und nahm das Kind mit.

Solche Väter haben von unserem Recht wenig zu erwarten. Sie müssen Unterhalt zahlen für das Kind, Elternrechte haben sie nicht. Über Schule, Beruf, Wohnung, Freunde entscheidet die Mutter allein. Wenn sie will, kann sie dem Vater erlauben, das Kind zu besuchen, mit ihm zu spielen, mit ihm in Ferien zu fahren. Will sie das nicht, bleibt dem Vater nur die Möglichkeit, ein Besuchsrecht vor Gericht zu erkämpfen. Das setzt aber voraus, daß der Vater den Richter davon überzeugen kann, daß „dies dem Wohle des Kindes dient“. Wenn die Eltern zerstritten sind, entscheiden Gerichte fast immer gegen den Vater. Der, dem die oben zitierten Sätze qua Gerichtsbeschluß ins Haus kamen, muß, wenn er sein Kind sehen will, in 500 Metern Entfernung vom Kinderspielplatz auf einen Baum klettern, um Sohn oder Tochter mit dem Fernrohr zu betrachten. Die Entscheidung ist kein Einzelfall. „Davon haben wir eine ganze Sammlung“, sagt Werner Sauerborn, frisch gekürter Vorsitzender des neuen Vereins.

Der Väteraufbruch von Köln will deshalb für eine Änderung der Gesetze kämpfen. Die magere Verbesserung des Besuchsrechts nichtehelicher Väter, die ein Referentenentwurf aus dem Bundesjustizministerium vorsieht, reicht ihnen nicht. Sie wollen das gemeinsame Sorgerecht auch für nicht verheiratete Eltern und die gesetzlich verbriefte Möglichkeit, bei einer Trennung das Kind in die Obhut des Vaters zu geben.

Und die Mütter? Wenn eine Lebensgemeinschaft mit Kind und ohne Trauschein auseinandergeht, und wenn die Väter dann mehr Rechte für sich verlangen, was planen sie für die Mütter? Unterhalt – wie nach einer Scheidung? „Dafür muß eigentlich die Gesellschaft aufkommen“, sagt Werner Sauerborn, „persönliche Abhängigkeiten nach der Trennung lehnen wir ab.“ Im Klartext heißt das: Eine Frau, die nach einigen Jahren der Lebensgemeinschaft mit Mann und Kind sich vom Partner trennt, soll dem Vater möglichst gleichberechtigt das Sorgerecht überlassen, Ansprüche für sich selbst hat sie nicht. Wenn sie berufstätig war und ist, mag das gehen. Wenn sie aber dem Kind zuliebe auf eine eigene Karriere verzichtet hat, ist „die Gesellschaft“ dran. Zur Zeit heißt das: Sozialhilfe. Wie bequem für die Väter!

Für die Mütter sprach in Köln Jutta Oesterle-Schwerin. Bundestagsabgeordnete der Grünen und Mitglied in deren Arbeitskreis Familienpolitik. Sie ließ kein gutes Haar an den Plänen der aufbrechenden Väter und am zaghaften Reformvorschlag aus dem Hause des Justizministers: „Frauenfeindlich“ nannte sie beides und forderte bei allem Verständnis für die väterlichen Defizite: „Laßt uns diesen kleinen Rest an Matriarchat!“ Mehr Rechte für Väter hält sie erst dann für denkbar, wenn „die Gesellschaft“ Frauen wirksam unter die Arme greift. Soll heißen: ein Erziehungsgeld, das den Unterhalt der Mutter wirklich deckt und dies mindestens bis zum dritten Lebensjahr des Kindes, Ganztagskindergärten in ausreichender Zahl, Ganztagsschulen, Quotierung aller Arbeitsplätze und Teilzeitarbeit für Männer und Frauen. Dann, ja dann würden Mütter mit sich reden lassen. Vorher aber nicht.