Von Minos Zombanakis

LONDON. – Das drängendste Problem für die Weltwirtschaft liegt heute in den Handelsungleichgewichten zwischen den wichtigsten Industrieländern.

Diese Disparitäten sind Zeichen für unterschiedliche Spar- und Konsumraten wie von unterschiedlichen Prioritäten. Die Folge sind riesige Überschüsse für Japan und die Bundesrepublik und einmalig hohe Defizite der Vereinigten Staaten, die bis heute mit über 500 Milliarden Dollar beim Rest der Welt verschuldet sind.

Wenn diese Situation weiterhin andauert, wird die Auslandsverschuldung der Vereinigten Staaten in vier Jahren auf über eine Billion Dollar anwachsen. Ein solcher Schuldenzuwachs wird unausweichlich die Position des Dollars als der maßgeblichen Reservewährung im internationalen Währungssystem in Frage stellen und den Welthandel und die internationalen Zahlungsströme der Gefahr des Zusammenbruchs aussetzen. Darüber hinaus wird der Dollar einem steten Wertverlust ausgesetzt sein; die Folge wäre ein starker inflationärer Druck in der amerikanischen Wirtschaft, höhere Zinsen und schließlich eine Rezession, die die übrige Welt unweigerlich in Mitleidenschaft ziehen würde.

Weder die Handelspartner Amerikas noch die internationalen Finanzmärkte werden dieser Entwicklung vier Jahre lang stillschweigend zuschauen. Vielmehr werden sie, um den Gefahren zuvorzukommen, alles unternehmen, was sie zum Schutz ihrer Interessen und zur Erreichung ihrer Ziele für nützlich halten.

Erst kürzlich zum Beispiel haben die Japaner damit begonnen, ihre Sorgen über die Zukunft offen zu äußern. Sie wollen die Rolle des Dollars als der führenden internationalen Reservewährung beschneiden und statt dessen ein neues System von mehreren „Schlüssel-Währungen“ schaffen: 25 bis 30 Prozent der Weltliquidität sollten in Yen, 25 bis bis 30 Prozent in Ecu (oder D-Mark), die restlichen 40 bis 50 Prozent in Dollar gehalten werden. Hier zeigt sich, daß die Japaner allmählich das Vertrauen in die Fähigkeit der amerikanischen Regierung verlieren, im eigenen Lande die nötige Zustimmung für eine Neuordnung der wirtschaftlichen Prioritäten zu finden. Und es zeigt auch, daß die Japaner – zu Recht oder zu Unrecht – sich gegenüber amerikanischen Entscheidungen sehr viel verwundbarer fühlen als die Europäer, die sich gegen einen finanziellen Kollaps in den Vereinigten Staaten durch das Europäische Währungssystem und eine Reihe von Konsultatiwerfahren in der Europäischen Gemeinschaft abgesichert haben.

Die nächste Administration muß deshalb rasch handeln. Sie muß der Welt glaubhaft machen, daß sie die Folgen von acht Jahren Reagan’scher Voodoo-Economics (wie George Bush es 1980 nannte) korrigieren wird, einer Politik, die die amerikanische Volkswirtschaft durch eine jährliche Auslandsverschuldung in Höhe von 200 Milliarden Dollar und den Abbau der Spar- und Investitionsrate in Gang gehalten hatte.