Von Helga Grebing

Was können sie schon gemeinsam haben: die Kassiererin in einem Supermarkt, der erfolgreiche Wertpapierberater, die Kauffrau in einem Reisebüro, die Textilverkäuferin, der Versicherungssachbearbeiter oder die stellvertretende Chefin einer Großbankfiliale?

Sie haben sehr viel gemeinsam: Sie leben in einer Großstadt oder in der Nähe einer solchen – und sie tragen Verantwortung als Betriebsräte oder freigestellte Betriebsratsvorsitzende in der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV). Über ihre Aufgaben und Erfahrungen berichten sie in einem Bilder-Lesebuch anläßlich des vierzigjährigen Gründungsjubiläums der Gewerkschaft HBV.

  • Claus Ellrich, Hans-Otto Hemmer (Hrsg.): Die neue Mehrheit – Angestellte.

Dietz-Verlag, Bonn 1988; 240 S., 30,– DM.

Die Geschichte der Organisierung von Angestellten war über lange Zeit alles andere als eine Erfolgsgeschichte über das Streben nach demokratischer Teilhabe an Entscheidungen, wie Jürgen Kocka in seiner Einleitung unterstreicht und wie Manfred Kubik in seinem geschichtlichen Abriß deutlich macht: Das sprichwörtliche ständische Sonderbewußtsein, die prekäre ideologische Nähe zu Nationalsozialismus und Antisemitismus, die organisatorische Zersplitterung – das waren die häufigsten Kennzeichen der Angestelltenorganisationen, die auch nach 1945 nicht vollständig überwunden werden konnten. Auch heute noch ist die Interessenvertretung gespalten in die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft und die HBV, die jüngste der DGB-Gewerkschaften.

Daß es dieser gewerkschaftliche Benjamin lange Zeit sehr schwer hatte, unter den Angestellten Fuß zu fassen, erklärt Kubik etwas zuviel mit dem Vorsprung der DAG; er erwähnt als einen weiteren Hemmschuh aber auch den Abgrenzungsstreit mit den anderen Gewerkschaften. Der Mangel an Wirksamkeit in der Vergangenheit läßt sich aber auch durch Defizite bei der innerverbandlichen Willensbildung erklären, mit denen Kubik indes ein wenig zu schweigsam umgeht.