Gäbe es nur eine Wahrheit, könnte man nicht hundert Bilder zum gleichen Thema malen.

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Die Liebe gibt es nicht. Es gibt nur Beweise der Liebe.

Aus dem Band "Picasso": "Über Kunst" – Ausgesprochen zwischen Picasso und seinen Freunden, ausgewählt von Daniel Keel" (Diogenes Verlag)

Ausschußware

Nacht war es, als am Mittwoch der vergangenen Woche der Haushaltsausschuß des Bundestages in einer "Bereinigungssitzung" über die "Feuchtwanger-Stiftung" diskutierte. Die Stiftung will die "Villa Aurora", Feuchtwangers Haus in Los Angeles – das letzte Denkmal des deutschen Exils – erhalten und zu einer kalifornischen Villa Massimo umbauen. Unter der Voraussetzung, daß die Stiftung in den nächsten Jahren ein Vermögen von knapp über 10 Millionen Dollar bei privaten Spendern in Europa und den USA auftreibt, wollte das Auswärtige Amt jährlich eine Million Mark zuschießen. In einer ersten Sitzung des Ausschusses war das Vorhaben des Auswärtigen Amtes am Widerstand der Koalitionsvertreter gescheitert. In der "Bereinigungssitzung" nun wollten Ausschußmitglieder von SPD und Grünen über das Thema diskutieren. CDU- und FDP-Mitglieder schwiegen, einige lasen demonstrativ Zeitung. Am Ende wurden 500 000 Mark pro Jahr bewilligt für die laufenden Kosten des Hauses – an der Stiftung selbst wird sich der Bund nicht beteiligen. Bei anderen Projekten zur deutschen Vergangenheit hat sich das Gremium weniger knauserig gezeigt: Für die "Einrichtung einer Otto von Bismarck-Stiftung" bewilligte es 550 000 Mark – in der ersten Runde, ohne Zögern, ohne private Vorleistungen. Vielleicht waren die sparsamen Ausschußmitglieder ja an jenem Mittwoch – dem neunten November – auch bloß mit ihren Gedanken woanders, bei der nächsten Gedenkrede zum Beispiel.

Wo Portugal liegt