Und warum sollte man ihm den späten Erfolg nicht gönnen? Noch ist Dennis Hopper nicht die abgetakelte Hure, die sich auf ihre alten Tage zur Betschwester verbessert hat. In "Colors – Farben der Gewalt" spricht er sich gegen Drogen, gegen Gewalt und gegen Bandenkriminalität aus, ein rundum ehrenwerter Standpunkt, der nicht schlechter dadurch wird, daß sich auch Nancy Reagan auf ihm eingerichtet hat.

Man wird auch verstehen müssen, daß der Regisseur Hopper, als er nach acht Jahren einen Film (seinen vierten in zwanzig Jahren) drehen durfte, seine Zuflucht zur vertrautesten von allen vertrauten Hollywood-Geschichten nahm: Zwei Männer, ein Auto und der Kampf gegeneinander und gegen alle. Am Ende wird einer tot sein und der Überlebende desillusioniert seine Erfahrungen weitergeben. Wie das schon immer war.

Vor zwanzig Jahren, in "Easy Rider", hatten die beiden Männer lange Haare, pfeilten auf Motorrädern durch das schöne Amerika und fanden den Tod im Feindesland, im schönen Amerika. 1988 ist Amerika auf den Kriegsschauplatz Los Angeles geschrumpft, schön sind hier nur mehr die Wandgemälde in den Ghettos, der Rest ist ein riesenhafter sonnenverbrannter Müllhaufen, durch den die Crips und die Bioods, die beiden rivalisierenden Gangs, nächtens patrouillieren.

Die Polizei ist machtlos gegen die jugendlichen Drogen- und Waffenhändler, die Krieg um ihre jeweiligen Viertel führen. Im vergangenen Jahr sind bei Kampfhandlungen zwischen den Gangs und gegen die Ordnungskräfte 387 Menschen gefallen. Dieser Kampf geht mit unverminderter Härte weiter, auch in "Colors". Für die Verantwortlichen geht es zu wie in Vietnam: ein aussichtsloser Krieg gegen einen unsichtbaren Feind. (Was hilft es, daß die Polizei diesmal im Recht ist.)

Zu den Polizisten, die im Dschungel auf die Jagd gehen, gehören Danny McGavin (Sean Penn) und Bob Hodges (Robert Duvall), der junge Schläger, der sich auf der richtigen Seite austoben will, und der alte Sozialarbeiter, der kurz vor der Rente steht. Wo der eine für den kurzen Prozeß ist, hebt der andere den pädagogischen Zeigefinger.

Dennis Hopper weiß nicht so recht, mit wem er sympathisieren soll. Aber zum Glück kann der Dämon des amerikanischen Kinos, mit 52 endlich ein erfolgreich entzogener Alkoholiker und damit für die Industrie wieder einsatzfähig, seine in vielen Rollen kultivierte Natur nicht ganz verleugnen: die schwarzen und hispanischen Dealer sind bei weitem interessanter als die Streifenbullen. Fasziniert beobachtet Hopper die Gang-Rituale, ihre unverständliche Zeichensprache, die Subkultur derer, die ohne Crack keine regelrechte Chance hätten.

Auch die beiden Freibeuter in "Easy Rider" hatten mit Drogen gehandelt; der Horror von heute hat nichts mehr von der blumenkindlichen Euphorie von damals. So recht kann man Dennis Hopper den Wanderer zwischen den Welten, den Vermittler zwischen dem jungen und dem alten Polizisten dennoch nicht abnehmen; er steht schon von allein auf der richtigen Seite.