ZEIT: Den Behörden von Bund und Ländern soll es künftig nicht mehr erlaubt sein, vor dem Kauf von Lebensmitteln mit unzulässigen Schadstoffgehalten öffentlich zu warnen. So jedenfalls will es ein Gutachten, das im Auftrag des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) entstand. Bedeutet das, daß die Öffentlichkeit nicht mehr informiert werden soll?

Schroeter: Nein, das bedeutet, daß bei der Warnung vor Lebensmitteln bestimmte Grundsätze einzuhalten sind, daß also die Warnung nicht nach freiem Ermessen der Behörde ausgesprochen werden kann. Eine Maßnahme muß erforderlich sein, und der Schaden, der dadurch angerichtet wird, muß in einem vernünftigen Verhältnis zum Erfolg stehen.

ZEIT: Können Sie ein Beispiel nennen?

Schroeter: Wenn ein Lebensmittel nicht in Ordnung ist, das noch nicht im Einzelhandel ist, sondern bei einem Hersteller oder Großhändler liegt, dann genügt es völlig, dieses Lebensmittel zu beschlagnahmen. Dann muß nicht gleich die Öffentlichkeit gewarnt werden.

ZEIT: Bedeutet das also, daß die Öffentlichkeit nur noch in Ausnahmefällen gewarnt wird?

Schroeter: Wenn die öffentliche Verwaltung mit einem milderen Mittel, wie beispielsweise Beschlagnahme, den Verbraucher vor dem Verzehr dieses Produktes bewahren kann, dann muß sie zu diesem milderen Mittel greifen. Wenn es nicht anders geht, muß die Behörde natürlich warnen, insbesondere bei möglichen gesundheitlichen Schäden. Wenn aber zum Beispiel die Ware nur falsch deklariert wurde, ist eine öffentliche Warnung nicht – gerechtfertigt. Dies wird auch von der öffentlichen Verwaltung so gesehen.

ZEIT: Sind die Behörden nach Meinung der Lebensmittelhersteller in der Vergangenheit zu häufig in die Öffentlichkeit gegangen?