Schroeter: In einigen Bundesländern, vor allem in Baden-Württemberg, wurde eine Reihe von Warnungen ausgesprochen, mit denen dann auch Unternehmen geschädigt wurden, die gar nicht betroffen waren. Ein Beispiel dafür ist die Affäre um die Eierteigwaren. Dabei zeigte sich hinterher, daß die Unternehmen und die Verwaltung jeweils völlig verschiedene Auffassungen über die Notwendigkeit und das Ausmaß der Warnungen vertraten. Um hier größere Klarheit zu schaffen, hat der Bund für Lebensmittelrecht das Gutachten in Auftrag gegeben.

ZEIT: Werden die Lebensmittelhersteller in Zukunft gerichtlich gegen Behörden vorgehen, die die Öffentlichkeit zu oft warnen?

Schroeter: Prozesse hat es in der Vergangenheit gegeben, und sie sind auch künftig nicht auszuschließen. Mitunter hat eine Warnung verheerende Folgen. Manchmal wird ein ganzes Sortiment vom Verbraucher nicht mehr gekauft, obwohl eigentlich nur ein Artikel betroffen ist. Bei einem Teigwarenhersteller etwa ging nach der Warnung der Gesamtumsatz um die Hälfte zurück, die Firma mußte fünfhundert Mitarbeiter entlassen und zwei Werke schließen.

ZEIT: Wenn jetzt die Öffentlichkeit seltener gewarnt werden soll, bedeutet das dann nicht auch, daß schwarze Schafe besser geschützt werden?

Schroeter: Nein: Wenn gesundheitsgefährdende Produkte beim Verbraucher sind, kommt man an einer öffentlichen Warnung nicht mehr vorbei. Dann läßt sich nur noch darüber reden, ob der Betroffene selbst oder die Verwaltung warnt.

ZEIT: Wie soll Ihrer Meinung nach der ideale Verbraucherschutz denn nun aussehen?

Schroeter: Am Verbraucherschutz soll sich nichts ändern. Aber in Fällen, in denen keine Gesundheitsgefahr droht und das Produkt noch nicht beim Verbraucher ist, soll nicht mehr gewarnt werden. Denn mit Mitteln wie Beschlagnahme, Verkehrsverbot und Rückrufaktionen des Herstellers läßt sich das Problem bereinigen. rz