Ich komme gerade von einer Vortragsreise durch den amerikanischen Süden zurück und muß leider feststellen, daß meine Vorurteile gegenüber Amerika eher bestätigt als entkräftet wurden.

Wer sich ein unverfälschtes Bild von einem Land und seinen Bewohnern machen will, der muß von dessen Intimbereich ausgehen, muß es also bei seiner Badezimmerkultur packen. Und gerade hier hat Amerika sich bei mir, auch wenn man das Kind nicht mit dem Bade ausschütten soll, um seine letzte Gunst gebracht.

So kann etwa der gewiefte Amerika-Kenner über die naive Vorstellung, wer ein amerikanisches Badezimmer gesehen hat, habe damit alle gesehen, nur den – gerade von einem harten, heißen Brausestrahl getroffenen – Kopf schütteln. Es ist doch eher so, daß die erschreckende Vielfalt an Brauseköpfen, Hähnen und Stöpseln in Amerika bei ihm geradezu ein Trauma auslöst.

Während es meinen amerikanischen Freunden angesichts des Niveaus des Präsidentenwahlkampfes heiß und kalt über den Rücken lief, widerfuhr mir dergleichen in fast jedem Badezimmer; meist völlig unvermutet. Wer, wie ich, aus Deutschland kommt, für den ist Amerika jedenfalls kein Duschland. Ich konnte drehen, drücken und ziehen wo, wie und so lange ich wollte – fast nie gelang es mir, den Hebel oder Knopf zu erwischen, der mich durch einen wohltuenden, gleichmäßigen Strahl erfrischt hätte.

Leider ist es um den Badewannenabfluß, genauen um den Stöpsel, nicht viel besser bestellt. Während ich mir alle Mühe gab, mit diesem Problem gewaltfrei oder, wenn nötig, auch mit Gewalt fertig zu werden, wurde ich gewöhnlich von oben von einem unerwarteten Wasserblitzstrahl zentral getroffen.

An dieser Stelle muß die mangelnde Aufklärungsarbeit unserer Reiseführer gerügt werden, in denen Brausen und andere Instrumente der Hygiene so gut wie nie erwähnt werden. So erfährt man auch nicht, durch welchen Trick – oder wohlgezielten Fußtritt – man es schafft, einen laufenden Wasserhahn abzustellen, oder ob man ihn bis in alle Ewigkeit laufenlassen soll.

Von amerikanischen Brausen läßt sich zusammenfassend sagen: Sie funktionieren mal zu kurz, mal zu lang, mal zu heiß, mal zu kalt, meistens aber gar nicht. Dabei sei energisch vor gewissen roten Hähnen gewarnt, die kochendheiße Strahlen hervorzischen lassen, an die mich noch heute kleine Brandbläschen erinnern.

Als gebranntes Kind würde ich es darum sehr begrüßen, wenn sich die nächste US-Regierung zunächst nicht dem unlösbaren Schulden- und Defizitproblem, sondern lieber dem durchaus lösbaren Brausenproblem zuwenden würde. Und zwar unter dem Gesichtspunkt: Wasch mir den Pelz, aber mach mich richtig naß. Wenn es einem George Bush wirklich ernst ist um das amerikanische Ansehen im Ausland, dann muß er ganz unten anfangen: bei den Stöpseln der amerikanischen Bade-