Der gescheiterte Vorstandschef Bernd Otto hinterläßt beim co op-Konzern über vier Milliarden Mark Schulden

Von Gunhild Freese

Für Werner Veigel, den Aufsichtsratschef der Frankfurter co op AG, geht es jetzt nur noch um die Geschicke des Unternehmens und der etwa 50 000 Mitarbeiter. "Um Bernd Otto geht es nicht mehr." Wenn an diesem Donnerstag der Aufsichtsrat des Handelsriesen (Konzernumsatz: rund zwölf Milliarden Mark) turnusgemäß tagt, übernehmen die Banken das Szepter im viertgrößten Unternehmen der Branche: Der hochverschuldete Handelsgigant soll in ruhigeres Fahrwasser gebracht, neu geordnet und auf soliden Kurs gesteuert werden. Die Suche nach einem Nachfolger für den langjährigen Vorstandschef Bernd Otto hat bereits begonnen.

In dramatischen Sitzungen war den bei co op engagierten Banken erst allmählich klargeworden, bei welchem Supermonopoly sie dabei sind. Rund 150 Banken hatten Bernd Otto und seine Kollegen Werner Casper und Dieter Hoffmann für den rasanten Aufbau ihres Konzerngebildes herangezogen, und längst nicht immer wußte die eine von der anderen. Bis heute ist nicht raus, welche Banken hinter den Briefkastenfirmen stehen, die wiederum wesentliche Beteiligungen an co op-Töchtern oder sonst verbündeten Unternehmen halten. Oder war es gar der Vorstand selbst? Ein Phantomgebilde, das da entstanden war und das außer wenigen Insidern niemand mehr durchschaute – von den Banken bis zu den Aufsichtsräten.

Banken in der Pflicht

Bis heute ist zudem nicht heraus, wer welche Sicherheiten für Bankkredite gegeben hat und wo sie abgebucht wurden. Am Dienstag dieser Woche wurde wegen "unklarer Informationslage" erst einmal der Börsenkurs ausgesetzt.

Seit einer Woche ist schon die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Treuverkehr in der Frankfurter Zentrale und versucht, Klarheit zu bekommen. Ob nach einigen Monaten Recherche auch die Summe der Gesamtschulden – jetzt wird die immense Zahl von 4,5 Milliarden Mark genannt – noch einmal klettert, wird sich wohl erst dann zeigen.