Der scheidende deutsche EG-Vizepräsident Karl-Heinz Narjes hat sich in Tokio letzte Woche mit einer kabarettreifen Pointe verabschiedet: Er verlangte von Japan eine nachträgliche Entschädigungszahlung für all die Jahre, in denen sein Markt Außenseitern versperrt blieb, während es selber überall in der Welt seine Marketing-Stützpunkte aufbaute.

Der Vorschlag ist brillant, allenfalls zu bescheiden. Warum nicht gleich Kompensation verlangen für die drei Jahrhunderte, in denen sich Japan überhaupt von der übrigen Welt abkapselte – bis die schwarzen Schiffe des Kommodore Perry die Pforten des Inselreiches aufzwängten?

Mit ein paar Gegenforderungen wäre natürlich zu rechnen. Die Japaner würden Entschädigung von all den Ländern verlangen, die bis heute Importquoten für japanische Autos festsetzen. Der Rest der Welt könnte die Europäische Gemeinschaft wegen ihrer 30 Jahre Agrarprotektionismus auf Schadensersatz verklagen. Ausländische Brauer, die wir wegen unseres Reinheitsgebotes deutschen Zapfhähnen ferngehalten haben, bis der Europäische Gerichtshof das Verbot des Fremd-Trinkens kippte, mögen versucht sein, Forderungen anzumelden.

Macht nichts, laut Narjes-Plan: Wir können ja die Japaner dafür bluten lassen. Wirklich schade, daß der Erfinder dieses ökonomischen Kolumbus-Eis in den Ruhestand tritt... Th.S.