Mag Margaret Thatcher gerade gewohnt gebieterisch das Ende des Kalten Krieges verkündet haben, mag sie auch selbst den persönlichen Kontakt mit Gorbatschow möglichst intensiv pflegen – das bedeutet noch lange nicht, daß die andere First Lady des Landes ihren Fuß ins Sowjetreich setzen darf. Was hat Downing Street dazu bewogen, auf den inoffiziellen Wink aus Moskau hin ein so kategorisches, wenngleich ebenfalls inoffizielles Njet auszusprechen? Schließlich hat die Queen auf ausdrücklichen Wunsch der Regierung schon Länder besuchen müssen, deren Menschenrechtsbilanz noch nicht einmal durch Glasnost und Perestrojka aufgehellt wird; zur großen Familie des Commonwealth zählen wirklich einige rabenschwarze Schafe. Oder wurde die britische Regierung – mehr noch als die königliche Familie – von purem Feingefühl überwältigt? Hatten doch die Sowjetrevolutionäre 1917 auch die Zarin, mithin die Tante des verstorbenen Lord Mountbatten, des Onkels der heutigen britischen Königin, ermordet!

Eher trifft wohl das alte lateinische Sprichwort zu, wenngleich in spiegelverkehrter Version: Quod licet bovi, non licet Iovi. Dies wäre auch eine Erklärung dafür, daß die brüskierte Königin am Dienstag dieser Woche die Regierungserklärung der Premierministerin noch tonloser als üblich vortrug. J. K.