Von Rüdiger Siebert

Es gibt viele Möglichkeiten, sich einen Weg durch Manila zu bahnen. Zu den modernsten und schnellsten zählt eine Fahrt mit dem Light Rail Transit, kurz LRT genannt. Metrorail nennen die Filipinos diese Züge mit den ocker-braunen Waggons, die buchstäblich über die Dächer der Innenstadt hinwegrasen und die gerade touristischen Einsteigern in der Hauptstadt zu einer gewissen Übersicht verhelfen.

Zusteigen kann man in jedem der 18 Bahnhöfe. Drei Peso – rund 25 Pfennig – kostet das Entree, und dafür bietet die 30-Minuten-Tour von Baclaran bis Monumento eine Art Inhaltsverzeichnis der philippinischen Metropole.

Aus der Balkonsicht von Metrorail blickt der Fahrgast in die Niederungen der Slums und sieht die Hütten der Ärmsten, deren Bretterverschläge an den stacheldrahtbewehrten Mauern der Luxusanwesen kleben. Mal Hinterhof, mal Park – alles dicht nebeneinander. Da, zur Linken die grüne Oase inmitten des alten, dichtgedrängten Manila: der Rizal-Park, der sich bis zur Bucht hinzieht und abends die Aussicht auf den berühmten Sonnenuntergang freigibt. Dort das Hauptpostamt, ein protziger Monumentalbau aus kolonialer Zeit, auf der anderen Seite das Theater ...

Verkehrstechnische Erfordernisse – wie man so sagt – haben auf Pietät keine Rücksicht genommen. In einer langgezogenen Kurve durchschneidet die LRT-Trasse auf ihren Betonstelzen den chinesischen Friedhof, der wegen seiner Größe und der kolossalen Grabmäler einer Stadt der Toten gleicht.

Das wurde in Kauf genommen, denn was sich jeden Tag auf den Straßen von Manila ereignet, ist mit dem Begriff Chaos nur unzulänglich beschrieben. Rund 45 Kilometer dehnt sich die Stadt in nordsüdlicher, 25 Kilometer in ostwestlicher Richtung aus. Mehr als sieben Millionen Menschen leben hier, zur Jahrtausendwende werden es wohl über zwölf Millionen sein.

Wer im Metrorail erste Eindrücke gesammelt hat und es genauer wissen will, kann sich der Stadt auch noch auf andere Weise nähern. Mit jenem Vehikel, das für die Stadt so typisch wurde wie die Schwebebahn für Wuppertal und die roten Doppeldeckerbusse für London: dem Jeepney, wie die zu Großtaxis umgebauten Jeeps genannt werden.