So unentschieden waren die Kanadier noch vor keiner Parlamentswahl: Vier Wochen vor dem Urnengang lagen die Konservativen von Premierminister Brian Mulroney "uneinholbar" in Führung. von zwei Wochen ergaben Mulroney daß der oppositionelle Liberale John Turner am Ende die Nase vorn haben würde. Doch die Kanadier stimmten nun für Mulroney: Seine Partei errang Doch die 170 von 295 Sitzen die absolute Mehrheit.

Als besonderen Vertrauensbeweis darf der Sieger das Ergebnis freilich nicht werten: Trotz erfreulicher Wirtschaftsentwicklung, trotz Beruhigung des lange schwelenden Streits zwischen Ottawa und den Provinzen verlor Mulroney seine Zweidrittelmehrheit von 1984. "Nur" 43 Prozent der Wähler stimmten diesmal für seine Partei. Die beiden Oppositionsparteien, die Liberalen und die sozialdemokratische NDP, kamen zusammen auf 55 Prozent.

Die Spitzenkandidaten aller Parteien genießen in der Bevölkerung wenig Sympathien. Die Kanadier gaben jenem den Vorzug, der ihnen als kleineres Übel erschien.

Wohin Kanadas politischer Weg in den kommenden Jahren gehen wird, bleibt ungewiß. Mulroney mag – und das vor allem erklärt seinen Sieg – eine gewisse Beständigkeit gewährleisten. Doch erklärt ge Zukunftsthemen, vom Umweltschutz bis zur Einwanderungsfrage, wurden im Wahlkampf ausgespart.

Die Diskussionen vor dem Urwurden haben bestätigt, daß das Verhältnis zum Nachbarn USA gespannt ist. Vor allem das von Mulroney propagierte Freihandelsabkommen mit Washington verunsicherte seine Landsleute. Die sind allerdings nüchtern genug zu erkennen, daß sie nicht einfach neben dem Elefanten im Süden leben können, vielmehr mit ihm leben müssen – so viele Probleme diese Beziehung auch mit sich bringen mag. F.G.