Hans Friderichs sieht seine Berufung in den Aufsichtsrat als späte Wiedergutmachung

Von Wolfgang Hoffmann

Die Berufung von Hans Friderichs zum Aufsichtsratsvorsitzenden des europäischen Luftfahrtkonsortiums Airbus Industries kam gar nicht mehr so überraschend – jedenfalls nicht für die Insider. Sein Name war bereits seit vierzehn Tagen im Gespräch.

Ist das nun die endgültige Rehabilitierung von Hans Friderichs, einem der drei Angeklagten im spektakulären Bonner Flick-Prozeß?

Friderichs selbst wird die Formulierung "Rehabilitierung" nicht gefallen, geht es doch aus seiner Sicht um Wiedergutmachung. Über eine gewisse Ungerechtigkeit der Welt kommt Friderichs jedenfalls nicht so leicht hinweg. Sie besteht darin, daß er wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde, während andere davonkamen, die doch sehr viel länger und intensiver damit beschäftigt waren, die Republik zu kaufen.

An der Ungleichbehandlung ein und desselben Tatbestandes gibt es in der Tat nichts zu deuteln. Wäre Hans Friderichs in Frankfurt, am Ort der strafbaren Handlungen, angeklagt worden und nicht in Bonn, wäre das Verfahren eingestellt worden. Jedenfalls war dies bei seinen Vorstandskollegen der Fall, auch bei denen der Deutschen Bank wie der Commerzbank. Es steht dahin, ob die Einstellungspraxis der Frankfurter Justiz etwas mit Recht zu tun hat oder nicht vielleicht sehr viel mehr mit der Finanzmacht, die sich in der Main-Metropole konzentriert hat. Immerhin hat sogar der Rechnungshof schon einmal den Bonner Finanzminister heftig dafür kritisiert, daß ausgerechnet die mächtige Frankfurter Finanzwelt von Betriebsprüfungen des Finanzamtes verschont blieb, während man ansonsten doch den kleinsten Krautern kein Pardon gibt.

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