Von Werner Johe

Seit sich die Menschen Regeln geschaffen haben, um ihr Zusammenleben zu ordnen, und Institutionen, die ihre Einhaltung strafend erzwingen sollten, seit es also eine wie immer beschaffene Justiz gibt, gibt es auch die Kritik an ihr und den Ruf nach Verbesserungen. Die Forderung nach einer Anpassung an gewandelte Verhältnisse betraf sowohl die Regeln, die Gesetze, als auch die Gerichte und ihr Verfahren. Wo dieser Wunsch laut wurde, fehlte es denn auch nicht an mehr oder weniger ausgefeilten Plänen für eine Reform der Justiz. Ein solcher Vorschlag ist Gegenstand der Untersuchung bei

  • Joachim Ramm:

Eugen Schiffer und die Reform der deutschen Justiz

Luchterhand-Verlag, Neuwied 1987; XIV und 242 S., 98,– DM.

Er befaßt sich in dieser rechtshistorischen Abhandlung mit den Überlegungen, die Schiffer während der Zeit der Weimarer Republik entwickelt und veröffentlicht und die er nach dem Zweiten Weltkrieg, unter dem Eindruck des Erlebten, in einer revidierten Fassung erneut vorgelegt hat.

Eugen Schiffer gehört zu den interessantesten Personen in der Geschichte des ausgehenden Kaiserreichs und der Weimarer Republik. 1860 in Breslau geboren, studierte er Jura und begann seine Karriere 1888 als Amtsrichter in Zabrze, die er 1917 als Oberverwaltungsgerichtsrat in Berlin beendete, als er zum Unterstaatssekretär und später zum Staatsekretär des Reichsschatzamtes berufen wurde. Er blieb 1918 im Amt und diente der Weimarer Republik noch kurze Zeit als Finanz- und als Justizminister. Von 1903 bis 1924 war er als Abgeordneter im Preußischen Landtag und im Deutschen Reichstag tätig, zunächst für die National-Liberale Partei, seit 1919 für die Deutsche Demokarätische Partei, die er 1924 verließ, weil er in ihr nicht länger seine politische Heimat sehen konnte. Er arbeitete als Rechtsanwalt und entwickelte seine Vorstellungen einer Justizreform. Im Juli 1945 wurde er Leiter der deutschen Justizverwaltung der sowjetischen Besatzungszone, ein Amt, aus dem er im August 1948 ausschied. Eugen Schiffer starb 1954 in Berlin.