Von Kunibert Raffer

Der Ärger über den Medienrummel anläßlich des "Afrika-Tages" im Jahre 1985 gab dem Journalisten und Photographen Walter Michler den Anstoß, selbst ein Buch über Afrika zu schreiben. Denn dieser Afrika-Tag habe gezeigt, daß "es unser milliardenschwerer Medienapparat nicht vermocht hat, sachgerechte Informationen über die Geschehnisse auf dem afrikanischen Nachbarkontinent zu liefern". Mit großem Aufwand sei der Bürger letztlich falsch informiert worden. Die so geschaffenen Verzerrungen des Bildes des Schwarzen Kontinents will Michler korrigieren:

  • Walter Michler: Weißbuch Afrika Dietz-Verlag, Bonn 1988; 496 S., 29,80 DM

Wie das Vorwort anmerkt, enthält das Buch "selbstverständlich" nicht alles, "was über Afrika notwendigerweise zu sagen wäre", sondern erörtert Grundlegendes. Auf knapp 500 Seiten ist Michler jedenfalls der Nachweis gelungen, daß hohe Seitenzahl und hohes Niveau keinesfalls mit schwerverdaulichem Stil und langweiligen Darlegungen gepaart sein müssen.

Zu Beginn des Buches finden sich zum Beispiel "Benutzerhinweise", die darauf verweisen, daß das Buch auch kapitelweise verwendbar ist, sowie den Aufbau des Werkes erklären. An den Kapitelenden bietet Michler meist Zusammenfassungen oder Forderungen und Empfehlungen an Institutionen, Politiker, aber auch den Leser selbst. Dieser wird etwa aufgefordert, Medien und Hilfswerke im Falle schlechter Recherchen unter Druck zu setzen (durch Storno der Zahlungen). Michlers Appell an die Öffentlichkeit: "Nein, Sie sind nicht ohnmächtig. Nutzen Sie Ihre Einflußmöglichkeiten. Jeder einzelne soll über die beruhigende Spende hinaus aktiv werden." Zwei Mark je Buch gehen an die Deutsche Welthungerhilfe für die Unterstützung von Selbsthilfeprojekten in Afrika, für Hilfe also, wie sie der Autor für sinnvoll erachtet. Am Ende jeden Kapitels findet sich eine kurze Literaturauswahl, gelegentlich auch Adressen von Informationsstellen oder Institutionen, die sich in besonderer Weise mit dem Problem des Kapitels beschäftigen.

Acht wissenschaftliche Mitarbeiter haben den Autor bei seinen Recherchen durch Expertisen und als Berater unterstützt. Trotz der beeindruckenden Menge von Daten und Archivmaterial, das verarbeitet wurde, erhielt sich der Autor einen kritischen Blick für seine Quellen. So verweist Michler darauf, daß etliche Daten von den gängigen Statistiken abweichen und auf eigenen Berechnungen fußen. Wiederholt weist er auf die Fragwürdigkeit mancher Statistiken, besonders über die ärmsten Länder, hin und zeigt jene Skepsis, die zwar von großen Wissenschaftlern wie Gunnar Myrdal immer wieder angemahnt, jedoch von datenbesessenen Experten zu oft beiseite geschoben wird.

Zu Beginn attackiert Michler die Vorurteile gegenüber den Afrikanern, die sich bei europäischen Geistesgrößen wie Voltaire oder Hegel ebenso finden wie beim heutigen Durchschnittsbürger. Allenfalls diskutierbar wäre nur die Meinung, daß der Glaube an die Minderwertigkeit der Afrikaner den Europäern erlaubte, diese ohne Gewissensbisse zu versklaven. Vielleicht hat vielmehr der Wunsch nach Sklavennachschub die Ansichten der Europäer geprägt. Ausführlich beschäftigt er sich mit der Dürreberichterstattung, der "Katastrophe des deutschen Journalismus". Minutiös schildert Michler Übertreibungen, Fehlmeldungen und Verschwiegenes.