Von Arno Makowsky

Maria Buchheimer hat es schon ein paarmal gesehen. Erst vor ein paar Tagen, sagt die Supermarkt-Kassiererin, als sie grad vom Friseur rüberkam, da sei es vorbeigezischt. "Aber wie e normals Audo schauts ned aus"; findet sie, "eher wie e Dischdennisbladde." Auch der Bauer Hans Oberberger ist dem Fahrzeug schon begegnet: "Mindestens zweimal hat’s meinen Traktor überholt." Und Elfi Zaun, Kellnerin im Dorfwirtshaus "Fischküche Letsch" war richtig erschrocken: "Praktisch wie ne Flunder" habe das Ding ausgesehen.

Wenn der Architekt Michael Trykowski mit seinem selbstgebauten Solarmobil durch Möhrendorf fährt, dann bleibt arglosen Spaziergängern der Mund offen stehen und brechen Kinder in Freudengeheul aus. Was zum einen daran liegt, daß solche Auftritte eher selten sind, weil Trykowski ja nur manchmal mit rotem Nummernschild herumfährt. Zum anderen handelt es sich bei dem Auto-Piloten um den amtierenden Solarmobil-Weltmeister. Bei der internationalen "Tour de Sol" durch die Schweiz surrte er mit seinen zwei umweltfreundlich angetriebenen Elektromotoren als Schnellster durchs Ziel. In seinem fränkischen Dorf bei Erlangen, zwischen Main-Donau-Kanal, Regnitz und Autobahn idyllisch gelegen, gilt Michael Trykowski deshalb als Attraktion – neben der berühmten Wehrkirche aus dem 11. Jahrhundert und dem trefflich renovierten, geranienbehängten Rathaus. Sogar der Bürgermeister Karl Lindner freut sich, daß "wir so einen Energiepionier da haben". Und der Bauer Oberberger sagt: "Ich find’s riesig, daß er ausgerechnet bei uns wohnt, der Solarhansl."

Wer im "Büro für energiebewußtes und biologisches Bauen" anruft, dem kann es passieren, daß er von Trykowskis Sekretärin mit dem Hinweis "Moment noch, er baut gerade seine Batterien aus" um Geduld gebeten wird. In der Welt der Solarbastler sind solche Merkwürdigkeiten ganz selbstverständlich. Denn wenn die Sonne tagsüber, wie Michael Trykowski sagt, "zu wenig Power hatte, um die Dinger aufzuladen", dann müssen eben zehn schwere Autobatterien ausgebaut und ans Ladegerät gehängt werden.

Im September war Trykowski auf "Deutschlandfahrt" gegangen: Bis zu 130 Stundenkilometer schnell rollte er von Berlin nach Saarbrücken. Auf der Autobahn, erzählt er, "da sind die Leute erstmal voll ausgerastet und haben die Warnblinkanlagen eingeschaltet". Abends, an der Raststätte, wollten Neugierige dann wissen, warum das Solarmobil auch ohne Sonne noch fährt – und die Antwort war für viele enttäuschend: Die glitzernden Solarzellen auf der Wagenoberfläche laden nur die Batterien nach – und je seltener die Sonne scheint, desto öfter müssen vor der Fahrt aufgeladene Akkus verwendet werden. "Ist ja langweilig", sagten die Leute dann manchmal.

Groß heraus kam der Solarmobilist bei strahlendem Wetter an einer Tankstelle bei Saarbrücken: "Wissen Sie", erklärte er fröhlich den Benzinzapfern, "das ist schon ein gutes Gefühl, wenn der Tank von selbst wieder voll wird." Nur 2,3 Kilowattstunden Strom habe er von Berlin hierher gebraucht, das entspreche umgerechnet 0,26 Liter Benzin auf 100 Kilometer. "Da haben sie nur ungläubig geschaut."

Überhaupt, so erklärt der Architekt, sei das mit der Sonnenenergie nämlich gar nicht so einfach. Zwar fahre sein Mobil auch dann, wenn es ausschließlich und direkt von den Solarzellen mit Strom versorgt werde, dann aber höchstens 30 Stundenkilometer schnell – und nur so lange, wie die Sonne voll auf die Zellen knallt. Ein Auto, das auch praktisch zu verwenden sei, doziert Trykowski, müsse unabhängig von der Sonne sein. Also: Am besten werden die Solarzellen nicht am Auto, sondern auf dem Garagendach befestigt und laden die Batterie auf. Das Solarmobil der Zukunft ist ein ganz normales Elektroauto.