Was habt ihr denn da vor?" fragte der FDP-Vorsitzende Otto Graf Lambsdorff erstaunt seine Berliner Parteifreunde. Die hatten in ihrem Arbeitskreis Deutschlandpolitik die Idee einer deutsch-deutschen Bank ausgebrütet und sie am Wochenende in einem Beschluß der Konferenz der Fraktionsvorsitzenden ihrer Partei untergebracht. Danach soll eine solche Bank den gesamten kommerziellen und nichtkommerziellen Zahlungsverkehr mit der DDR abwickeln. Und: "In Ubereinstimmung mit westdeutschen Bankpartnern könnte so der DDR auch der Zugang zu westlichen Kapitalmärkten erleichtert und Strukturreformen in der DDR positiv beeinflußt werden."

Fragt man freilich nach konkreten Einzelheiten, dann kommen als Antwort keine wirtschaftlichen Argumente, sondern deutschlandpolitische Wunschträume. Walter Rasch, Berlins FDP-Landesvorsitzender: "Da wir die staatliche Trennung derzeit nicht überwinden können, müssen wir eine wirtschaftliche Annäherung anstreben, so daß sich das Gefälle zwischen beiden Staaten verringert, weil dieses Gefälle auch einen Druck erzeugt, die DDR zu verlassen. Also müssen wir die Möglichkeiten zur Kooperation nutzen, und zwar immer mit der Vision, das über Berlin zu machen."

Wenn eine deutschdeutsche Bank ihren Sitz in West- und Ost-Berlin hätte, könne auch die Rolle Berlins aufgewertet werden. Außerdem werde eine solche Bank, meint Rasch, auch "eine Schlüsselrolle bei der angestrebten wirtschaftlichen Verzahnung spielen".

Nun wird kaum ein Sachkundiger behaupten, daß ein dringendes Bedürfnis für ein derartiges Kreditinstitut besteht oder daß durch eine Bankgründung der DDR wirtschaftlich auf die Beine geholfen werden könnte. Denn der Zahlungsverkehr mit der DDR läuft reibungslos und, obwohl die DDR-Mark nicht konvertibel ist, auch zur beiderseitigen Zufriedenheit. Der innerdeutsche Handel und die nichtkommerziellen Transferzahlungen wie – in begrenztem Umfang – Unterhalts- und ähnliche Zahlungen werden über die deutsche Bundesbank und die Staatsbank der DDR abgewickelt, und zwar, wegen der fehlenden Konvertibilität, in Verrechnungseinheiten.

Außerdem verfügt die DDR bei westdeutschen Geschäftsbanken über sogenannte Freikonten, auf die Geldleistungen der Bundesregierung, etwa die Transitpauschale, eingezahlt werden. Bei diesen Freikonten werden aber auch direkte Deviseneinnahmen der DDR deponiert, die zum Beispiel beim Zwangsumtausch oder bei Käufen in Intershops anfallen. Mit diesen frei verfügbaren Mitteln kann die DDR nicht nur dringend benötigte Waren in der Bundesrepublik und auf den Weltmärkten kaufen, sondern auch andere Dinge finanzieren, die gewiß nicht alle im Sinne der Geldgeber sind. Und als Kreditnehmer gilt die DDR als erste Adresse. Der letzte Milliardenkredit an die DDR floß über ein Luxemburger Bankenkonsortium, an dem westdeutsche Großbanken maßgeblich beteiligt sind. Mit Fachleuten ist also über dieses Thema nicht ernsthaft zu reden. "So einen Quatsch habe ich selten gehört", ist noch die mildeste Reaktion. Denn den FDP-Plänen stehen mindestens drei entscheidende Hindernisse gegenüber: Da die DDR-Währung nicht konvertibel ist, kann der Zahlungsverkehr schlecht über eine Geschäftsbank abgewickelt werden.

West-Berlin als Sitz einer deutsch-deutschen Bank wäre sicherlich das letzte, worauf die DDR sich einlassen würde, zumal sie sorgsam den Handel mit West-Berlin von dem mit der Bundesrepublik trennt. Die Zusammenfassung aller Zahlungsströme bei einem Institut würde Transparenz und damit Kontrollmöglichkeit schaffen, an denen der DDR überhaupt nicht gelegen ist. Denn genau weiß im Westen zur Zeit niemand, wieviel Westmark die DDR einnimmt und was sie so alles damit macht.

Vielleicht, so scheint die FDP zu denken, könne man ja einer Bank, die keine Funktion hat, zu einer verhelfen, indem man sich noch etwas einfallen läßt. Und so kommt der Vorschlag, man solle doch den Reiseverkehr erleichtern, indem man für DDR-Bürger Umtauschmöglichkeiten von Ost- in Westmark zum Kurs 1 : 1 schafft, "bis zu einer festzulegenden Höhe", versteht sich. Da hundert Ostmark auf dem freien Markt nur zwölf Westmark erbringen, müßte dies jemand finanzieren, vermutlich die Bundesregierung. Die gibt jährlich mehr als 300 Millionen Mark an Begrüßungsgeld aus. Mehr wird sie für eine andere Umtauschregelung auch nicht zur Verfügung stellen wollen.