Mich beunruhigen auch die Entwicklungen bei den chemischen Waffen und deren Einsatz. Die Genfer Verhandlungen über ein Verbot chemischer Waffen sind ungeheuer wichtig. Deshalb hat Präsident Reagan vorgeschlagen, und darauf gab es ein großes Echo, daß die Unterzeichner des Protokolls von 1925 noch einmal in Paris zusammenkommen sollten, um die Bedeutung dieses Problems und die Wichtigkeit von Fortschritten bei den Genfer Verhandlungen zu unterstreichen.

Die Abrüstungsfragen haben für uns Vorrang. Am besten wäre es wahrscheinlich, wenn in allen drei Bereichen (bei den strategischen, den konventionellen und chemischen Waffen, d. Red.) gleichzeitig gehandelt würde. Je schneller eines dieser Probleme abgehakt werden kann, um so besser.

ZEIT: Werden Sie Fortschritte bei den Abrüstungsverhandlungen vom weiteren Abzug der Sowjets aus Afghanistan abhängig machen?

Shultz: Ich gehe davon aus, daß sich die Sowjets aus Afghanistan zurückziehen. Falls sie ihre Politik ändern und noch einmal in Afghanistan einmarschieren sollten, würde das mit Sicherheit einen großen Schock im internationalen System auslösen. Ich glaube allerdings nicht, daß sie so etwas vorhaben. Aber solange sie noch in Afghanistan sind, müssen wir weiter auf Abzug drängen.

ZEIT: Was erwarten Sie vom amerikanischsowjetischen Treffen in New York? Wird das ein Gipfel, ein gesellschaftliches Ereignis oder ein Arbeitsessen?

Shultz: Zunächst einmal gewährt die Begegnung Gorbatschow eine Chance, Präsident Reagan und Vizepräsident Bush zu treffen. Außerdem bin ich sicher, daß es eine substantielle Diskussion geben wird. Allerdings wird das Treffen nicht den Rang der Gipfel von Genf, Washington und Moskau, mit ihren umfänglichen, sorgfältig vorbereiteten Tagesordnungen, oder auch von Reykjavik haben, wo es sehr geschäftsmäßig zuging.

Andererseits könnte man jedes Zusammentreffen der Chefs als Gipfel bezeichnen. Aber ein Gipfel wird inzwischen gleichgesetzt mit einer bedeutsamen Zusammenkunft, für die eine große und substantielle Agenda vorbereitet ist. Das New Yorker Treffen, glaube ich, wird dem nicht entsprechen.