Dennoch ist es von Vorteil, wenn sich die Spitzenleute begegnen. Einer der Gründe für eine bessere Tonlage und Atmosphäre in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen liegt sicher darin, daß sich der Präsident und der Generalsekretär bereits viermal getroffen haben. Wir haben es uns dabei zur Gewohnheit gemacht, die Probleme auf den Tisch zu legen und sie durchzusprechen. Einige von ihnen können wir lösen, andere nicht, aber nach und nach haben wir Fortschritte erzielt. Es ist der richtige Weg.

ZEIT: Die Bundesregierung drängt auf ein sicherheitspolitisches Gesamtkonzept des Westens und will nicht getrennt über die Modernisierung der Kurzstreckenraketen reden. Sehen Sie eine Möglichkeit für die Entwicklung einer umfassenden westlichen Strategie?

Shultz: Ja, ich glaube, wir sind dabei gut vorangekommen. Grundsätzlich folgen wir sozusagen instinktiv einem Gesamtkonzept, das allerdings noch deutlicher akzentuiert werden könnte.

Wir haben darüber diskutiert, wie unsere Waffensysteme auf dem neuesten Stand gehalten werden können. Ich möchte auch darauf hinweisen, daß Kanzler Kohl in dieser Frage sehr eloquent war, als er uns jüngst besuchte. Als die entsprechende Frage aufkam, sagte er: "Ich habe zwei Söhne in den deutschen Streitkräften (sie sind Reserveoffiziere, d. Red.). Glauben Sie nicht, daß ich für sie die modernste Ausrüstung haben möchte, die es gibt?" Natürlich wollen wir auf dem neuesten Stand bleiben.

Wenn der Zeitpunkt für Entscheidungen gekommen ist, werden wir sehr sorgfältig vorgehen und die richtige Wahl treffen. Wir müssen uns Optionen offenhalten, indem wir eine Anzahl denkbarer Waffensysteme weiterentwickeln. Nur so erhalten wir uns einen Freiraum für künftige Entscheidungen.