Von Gerhard Spörl

ZEIT: Sie sind durch Ihren Koblenzer Streich von einer regionalen Größe zu einer nationalen Figur geworden. Jetzt gibt es zwei Einschätzungen Ihrer Person. Die eine besagt, Sie hätten sich wie ein Elefant im Porzellanladen aufgeführt. Die andere besagt, die Ironie liege darin, daß Sie nicht werden konnten, was Sie eigentlich werden wollten und auch sollten, nämlich Ministerpräsident. Welche Einschätzung liegt Ihnen denn näher?

Wilhelm: Ich bin angetreten, Parteivorsitzender zu werden. Ich habe mich um eine einvernehmliche Lösung mit dem bisherigen Amtsinhaber bemüht. Sie ist an seinem Widerstand gescheitert. Er hat ein Junktim hergestellt zwischen dem Vorsitzenden der CDU und dem Regierungsamt, was ich auch als Spiel mit dem Staatsamt empfunden habe. Das war mitentscheidend dafür, daß er verloren hat und daß ich gewonnen habe.

ZEIT: Werfen Sie denn Bernhard Vogel vor, ohne Grund von der Fahne gegangen zu sein?

Wilhelm: Ja, er ist von der Fahne gegangen. Wir haben Beispiele in der eigenen Partei, wo in vergleichbaren Fällen solche Reaktionen vermieden wurden.

ZEIT: Sie hatte ihm den Fehdehandschuh hingeworfen. Sie können sich nicht ernsthaft über die Konsequenzen beklagen, die Vogel daraus zog.

Wilhelm: Weil er sich öffentlich festgelegt hatte, mußte es ihm sehr, sehr schwerfallen, doch im Amt zu bleiben. Deshalb war eine neue Situation entstanden, die wir rasch lösen mußten.