West-Berlin

Die bohrenden Fragen des Richters nach Namen und Zweck der Studentenvereinigung wollen die Kläger nicht verstehen: "Das Kennwort ist doch beides, Name und Inhalt." Offener könne man in der Demokratie nicht kandidieren. Das ist genau die Frage, denn die Gruppe, die bei den Studentenparlaments-Wahlen der Freien Universität kandidieren will, heißt Carp. Und Carp, das englische Kürzel für "Hochschulvereinigung zur Erforschung von Prinzipien" (Collegiate Association for the Research of Principles), ist die internationale Studentenorganisation der Mun-Sekte.

Im Dienste des Koreaners San Myung Mun will die fanatische Vereinigung die Welt erobern und strebt als Teiletappe den Campus in Berlin-Dahlem an. Vor zwei Jahren wurde Carp die Stupa-Kandidatur verwehrt; nun hat die Sekte die siebte Kammer des Berliner Verwaltungsgerichts bemüht. Doch den Richtern reicht schon ein formaler Mangel: "Die Carp-Studentengruppe an der FU ist nicht autonom." Der Vorstand in Bonn habe gegenüber den Teilverbänden ein uneingeschränktes Weisungsrecht und könne so in die Universität hineinregieren.

Daß sich die Sekte gerade Berlin für ihre politischen Aktivitäten aussucht, ist kein Zufall. Nirgends, das zeigten auch die Aktionen zu ihrem "Weltstudentenkongreß" vor einem Jahr in Berlin, fühlen sie sich durch die "satanisch-kommunistische" Welt so provoziert wie an der Mauer. "Sowie die den Status als Hochschulgruppe haben", meint Felix Weiland, der Mitglied des undogmatisch linken Asta ist, "könnten sie öffentlichkeitswirksam arbeiten, Räume für ihre Veranstaltungen nutzen oder Wahlzeitungen herausgeben."

Schon 1982 wollten Carp-Anhänger FU-Räume für eine Veranstaltung nutzen; die Hochschulverwaltung lehnte dies ab. Vor vier Jahren versuchte die Sekte, gemeinsam mit der Jungen Union ins Studentenparlament einzuziehen, bekam aber, als "Christlich-alternative Liste" getarnt, nicht genügend Stimmen. Erfolgreicher sind die Methoden, mit denen die Anhänger Muns orientierungssuchende Studiosi für ihre Zwecke einzuspannen versuchen. Dabei helfen ihnen zwei Adressen – eine Wohngemeinschaft in der Königin-Luise-Straße und ihr Zentrum im Zehlendorf.

Oft fängt es ganz harmlos an. Carp-Leute sprechen unentschlossen durch die Gänge spazierende Kommilitonen an und laden sie freundlich zu einer Tasse Tee in die Königin-Luise-Straße ein. Dort wird ein buntes Veranstaltungsprogramm geboten: "Wonhwa-Do – asiatische Selbstverteidigung als Schule des Charakters" oder ein "alternativer Schönheitswettbewerb – wie Studenten ihren persönlichen Idealismus in die Praxis umsetzen". Auch den Vortrag über "Management-Prinzipien einer japanischen und einer amerikanischen Autofirma" wird man nicht sofort in Verbindung bringen mit den dubiosen Wirtschaftspraktiken des Mun-Imperiums. Dafür werben dann "Seminare über das Vereinigungsprinzip und dessen Anwendung" oder Vorträge über "Reverend Mun, Carp und die Vereinigungskirche".

"Zunächst", weiß Felix Weiland aus den Berichten von Kommilitonen, "plaudern die Mun-Leute harmlos herum und achten darauf, daß die Leute wiederkommen. Dann versuchen sie, sie aus ihrer Umgebung herauszueisen und sie auf sich zu fixieren." Der Neuling, warnt ein Asta-Info die Kommilitonen, "wird zur intensiveren Behandlung auf einen Vortragsabend oder gleich in ein abgelegenes Trainingszentrum eingeladen, wo die Gehirnwäsche mit ausgeklügelten Psychotechniken beginnt, die gezielt Arbeitszwang und Selbstaufgabe produziert..."