Uli Hoeneß, Manager des FC Bayern München, ist nicht der einzige, der sich Sorgen um die . Fußball-Bundesliga macht. Aber von ihm kommen die meisten Reform-Vorschläge. Und einige davon sind so aufreizend, daß sich die Fußball-Experten darüber die Köpfe heiß reden.

So zum Beispiel über diesen Vorschlag, geäußert vor dem Heimspiel des FC Bayern gegen die Stuttgarte Kickers: Wenn man "gegen die" nicht mit mindestens drei Toren Unterschied gewinnt, sollten die Zuschauer ihr Eintrittsgeld zurückbekommen.

Der Vorschlag war durchaus ernst gemeint, und vermutlich hat der geschäftstüchtige Bayern-Manager nicht einmal den Zynismus bemerkt, der hinter diesen Worten steckte. Denn so armselig ist kein Spielpartner, daß er es nicht verdient hätte, selbst als Unterlegener fair, das heißt gleichberechtigt behandelt zu werden.

Für Uli Hoeneß, der den Sport in erster Linie als Geschäft sieht, sind die wackeren Kickers aus Stuttgart ein noch nicht mal notwendiges Übel. Weg mit ihnen zum Taubenfüttern. Und wenn man schon gleichzeitig mit ihnen den Rasen des Münchener Olympia-Stadions betreten muß, dann sollen zumindest die Zuschauer ihren Spaß haben. Mit einem Wetteinsatz gegen den Ungleichen aus dem Armenhaus der Bundesliga.

Uli Hoeneß hat als Manager offensichtlich ein gestörtes Verhältnis zum Sport. Denn er läßt das Fairplay gegenüber dem Spielpartner völlig im Abseits bei seinen Kalkulationen. Nun muß man natürlich nicht mehr besonders darauf hinweisen, daß der Fußball von heute nicht mehr mit dem aus der Zeit zu vergleichen ist, in der es noch hieß: "Elf Freunde müßt ihr sein". Aber so ganz ohne Fairplay geht’s im Fußball auch heute nicht; denn man braucht schon den Partner zum Spiel, und sei der noch so unterlegen.

Was ist Fairplay überhaupt noch wert, wenn es ums Geld geht? Nach den Vorstellungen von Uli Hoeneß offensichtlich sehr wenig. Sein Vorschlag, gegen die Armseligen der Bundesliga sozusagen Kopfprämien auszusetzen, mit denen die Zuschauer den Abschuß des Gegners zusätzlich genießen können – tatsächlich gewann der FC Bayern gegen die Stuttgarter Kickers mit 3:0 – würde auf dem Spielfeld und auf den Rängen neue Aggressionen heraufbeschwören. Und wieder einmal bliebe der Sport auf der Strecke.

Man fragt sich, ob es denn den Sportler Uli Hoeneß je gegeben hat. Den Manager-Typ Hoeneß gibt es heute überall. Sogar in der Provinz.

Gerhard Seehase