Von Herbert Schäfer

Man nehme vier Eier auf das Kilo Mehl...", nach diesem Rezept bereitete Johanna K. in Schwäbisch Hall die Zutaten für ihre Spekulatiusplätzchen vor. Kinder und Ehemann schauten zu, doch die Dotter fielen wie Stinkbomben in den Mehlberg. Die Familie verließ fluchtartig den Raum.

Sie alarmierte den Wirtschaftskontrolldienst (WKD) der Landespolizei. Der fackelte nicht lange und hängte dem verantwortlichen Importeur ein Verfahren wegen Verbrauchertäuschung und Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz an, weil die Zehnerpackung mit den angeblichen Frischeiern tatsächlich ungenießbar war. "Deutlich altersbedingte Veränderungen" des Ei-Inhaltes und "ekelerregend faulig-käsiger Geruch" attestierte die chemische Landesuntersuchungsanstalt Stuttgart. Unwiderlegbarer Beweis: Die Luftkammern unter den Schalen waren acht bis neun Millimeter groß – statt sechs, wie es die EWG-Verordnung Nr. 2772/75 als Vermarktungsnorm bei bis zu dreieinhalb Wochen alter Ware der Güteklasse A gerade noch erlaubt.

Daß Verbraucher nicht selten faule Eier in den Einkaufskorb gelegt bekommen, bestätigt Hauptkommissar Herbert Fercho, Pressesprecher der Stuttgarter Landespolizeidirektion 1. Laut Protokoll trieben seine Kollegen vom WKD bei landesweiten Kontrollen serienweise "verdorbene oder wertgeminderte Eier" auf – muffig, verschimmelt und bakterienverseucht; Beanstandungsquote 27,4 Prozent.

Die Spur entdeckten die Fahnder bei einer Firma, die pro Jahr mit vermeintlich urgesunden Frühstückseiern fünfzehn Millionen Mark Umsatz macht: Hier fielen ihnen sogar bis zu zwei Drittel der Proben als nicht verkehrsfähig auf. Häufig waren die Packungen falsch etikettiert oder – um Frische vorzutäuschen – weit vordatiert. Der Keimgehalt der Eier, mutmaßten die Gutachter, deute auf erhöhtes Hygienerisiko und gesundheitliche Nachteile hin. "Frische Brotzeiteier" entlarvten sie als reif für den Schweinetrog, mit "typischem Alteigeschmack".

Nach Ansicht des Stuttgarter Regierungspräsidenten Manfred Bulling "kann es so nicht mehr weitergehen, daß wehrlose Verbraucher, die den Angaben der Händler vertrauen, derart angeschmiert werden". Deshalb kündigte Bulling ein "konzertiertes Vorgehen von Justiz- und Verwaltungsbehörden mit eisernem Besen" an. Staatsanwälte und Kripo sollen schwarze Schafe der Branche kompromißlos belangen, "weil Kriminalität im Lebensmittelbereich nicht als Kavaliersdelikt geahndet werden darf".

Die bisher im Ländle ausgesprochenen Marktverbote für besonders hartnäckige Sünder sowie happige Geldstrafen scheinen allerdings kaum abschreckend zu wirken. So steht ein Geschäftsmann, der seinen Nachschub hauptsächlich aus Holland bezieht, demnächst in Augsburg zwar vor Gericht. Er, war aber zuvor schon bei zwanzig verschiedenen Gelegenheiten ertappt und jedesmal zu Geldbußen verurteilt worden.