Die Zeit auf Langstreckenflügen soll demnächst schneller vergehen. Neue elektronische Bord-Entertainer sind derzeit im Test.

Wer in diesen Tagen in einer Boeing der amerikanischen Northwest Airlines, der australischen Qantas oder British Airways Platz nimmt, der wird womöglich in der Rückenlehne seines Vordersitzes einen Bildschirm entdecken. Nicht viel größer als eine Kreditkarte und mit sechs beliebig wählbaren Programmen ausgestattet, alle in Farbe und von einem bordeigenen Videosystem gespeist. Zur Wahl stehen Spielfilme, Sport, Musik, Nachrichten und Kinderprogramme, Helligkeit und Lautstärke kann jeder selbst regulieren. Die Programme wiederholen sich etwa alle vier Stunden. "Die Passagiere vergessen vor Begeisterung fast das Essen", kommentiert Mark Horton, bei British Airways in London für das sogenannte Inflight Entertainment verantwortlich, den ersten fliegenden Großversuch. Die Kosten dafür halten sich bislang noch in Grenzen. Die beteiligten Fluggesellschaften stehen bei dem Pilotprojekt finanziell nur für die anfallenden Extras gerade: Einbau und Ausfallzeiten der Testmaschinen. Die eigentliche Hardware stellt der Anbieter Airvision, eine Kooperation von Warner Brothers und Philips, kostenlos zur Verfügung.

Nach der Testphase wird der elektronische Spaß jedoch teuer. Zwanzig Millionen Pfund – so schätzt man bei British Airways – wird die Umrüstung der knapp 60 Langstreckenjets kosten. Bei der Lufthansa, die – wenn überhaupt – das neue System zweisprachig anbieten will, spricht man von 2000 bis 3000 Dollar pro Sitz.

Kein Wunder, daß es da von Anbietern nur so wimmelt. Dabei konkurrieren zwei verschiedene Versionen miteinander. Nachteil der sogenannten Seatback-Variante: Die Gäste müssen die Kopfhörer neben dem Bildschirm einstöpseln; für alle, die ihren Platz verlassen wollen (und nicht am Gang sitzen), werden die Leitungen zu Stolperfallen. Besser und teurer: Bildschirm und Regler werden aus der Armlehne ausgeklappt, so wie es heute etwa bei den Eßtischen in der Business Class üblich ist.

Wofür sich die Airlines am Ende entscheiden, ist noch ebenso offen wie die Art der Finanzierung. Manche wollen von den Gästen Benutzergebühren kassieren, andere denken daran, die Investitionen über Werbespots im Bordprogramm wieder einzuspielen.

Vorreiter der elektronischen Revolution an Bord ist British Airways mit einem differenzierten Klassensystem. Für die First-Class-Passagiere werden die Briten eine fliegende Videothek bereithalten mit Titeln nach Wahl. Auch Qantas und Japan Air Lines haben die Weichen gestellt. Beide lassen das neue Medium – von den Amerikanern freundlich Smart Seat Concept und Infotainment genannt – mit Lieferung der neuen Boeing 747-400 im Sommer 1989 und 1990 installieren.

Die Lufthansa steht der totalen Bordunterhaltung eher zögerlich gegenüber. "Es gibt noch kein System, das unseren Wünschen voll entspricht", so eine Sprecherin. Bis auf weiteres soll erst einmal das Vorhandene verbessert werden: Die Filmleinwand an Bord wird ausgemustert und durch Monitore ersetzt. Zwar bieten diese Geräte nur ein kleineres Bild, doch dafür seien die Farben besser und auch unempfindlicher gegen Außenlicht, heißt es bei der Lufthansa.

Hannah Glaser