Ganz nebenbei und kaum beachtet hatte die Übernahme des Luft- und Raumfahrtunternehmens Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) durch Daimler-Benz für den Stuttgarter Konzern noch einen erfreulichen Nebeneffekt. Im vergangenen Jahr erhielt Daimler samt der Tochterunternehmen aus der Kasse des Bundesforschungsministers Heinz Riesenhuber rund 150 Millionen Mark. Rechnet man nun die 74 Millionen Mark hinzu, die MBB an Entwicklungshilfe von Riesenhuber bekam, dann addiert sich die Bonner Unterstützung für das neue Großunternehmen auf beinahe eine viertel Milliarde Mark.

Gemessen an diesen öffentlichen Forschungsmitteln, in denen die künftigen Airbus-Subventionen natürlich noch nicht enhalten sind, nimmt sich der Betrag, den etwa BMW kassiert, geradezu bescheiden aus. Nach dem Förderkatalog des Bonner Forschungsministeriums haben die Münchner Autobauer knapp zwei Millionen Mark erhalten.

Zwar förderte Riesenhuber den Automobilsektor der Stuttgarter Konkurrenz auch nur mit zehn Millionen, der Rest des Geldes ging an die Daimler-Töchter Dornier, AEG und MTU. Erklärtes Ziel von Daimler ist es allerdings, im Gesamtkonzern die Synergieeffekte zu nutzen. Und das heißt wohl, daß die mit staatlicher Hilfe gewonnenen Erkenntnisse der Töchter auch dem Automobilbau der Mutter zugute kommen sollen.

Die beiden ehemaligen Manager des Münchner Panzerbauers Krauss-Maffei, die versucht haben sollen, illegal Konstruktionspläne des Kampfpanzers Leopard 2 für vierzig Millionen Mark an die Vereinigten Arabischen Emirate zu verkaufen, sind in der deutschen Rüstungsindustrie keine Unbekannten und bis heute aktive Manager. Herbert Schichtl war Leiter der Zentraltechnik des Unternehmens und könnte sogar noch hochrangige Vertreter der deutschen Rüstungsbranche in arge Verlegenheit bringen.

Schichtl, gegen den schon seit einem halben Jahr ermittelt wird, ist erst Ende Oktober als Geschäftsführer der MST Unternehmensberatung GmbH ausgeschieden, die zum großen Teil Lobby-Aufgaben in Bonn hat und die zu gleichen Teilen Friedrich Baur, dem Vorstandsvorsitzenden der Zahnradfabrik Friedrichshafen, Bernhard Schmidt, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Nürnberger Diehl GmbH, und dem schweizerischen Rüstungskonzern Oerlikon Bührle gehört. Auch Franz-Georg Riehle, der bei Krauss-Maffei bis Anfang 1987 den Bereich Wehrtechnik leitete und der seit Mai dieses Jahres stellvertretender Geschäftsführer des Münchner Kipper-Herstellers und Bundeswehrlieferanten F.H. Meiller Fahrzeug- und Maschinenfabrik ist, blieb seiner alten Branche immer treu. Er betreibt seit seinem unfreiwilligen Ausscheiden bei Krauss-Maffei das IBR-Ingenieurbüro Riehle in Bad Kreuznach mit dem Spezialgebiet Panzerbau, das sogar Aufträge vom Bonner Verteidigungsministerium hat.

Als der Krupp-Vorstandsvorsitzende Wilhelm Scheider im Juli über Verluste der im Anlagengeschäft tätigen Tochtergesellschaft Krupp Industrietechnik im Jahr 1987 berichtete, räumte er ein: "Wir glauben befürchten zu müssen, daß es 1988 noch schlimmer kommen kann." Der Glaube war wohl damals schon Gewißheit, denn "zwischen steht fest, daß die Industrietechnik dieses Jahr mit einem Verlust von etwa 300 Millionen Mark abschließen wird. Damit nicht genug, auch die Töchter Polysius (Zementanlagen) und Walther (Feuerschutz) werden zusammen rund hundert Millionen Mark verlieren.

Diesen 400 Millionen Mark stehen zwar Gewinne anderer Geschäftsbereiche gegenüber – allein die Krupp Stahl AG soll für 200 Millionen Mark gut sein –, sie reichen aber offensichtlich nicht aus, die Verluste im Anlagengeschäft auszugleichen. Ohne den hohen Gewinn der Stahltochter, der gerade in dieser Situation wie ein Geschenk des Himmels anmutet, wäre Krupp wohl wieder in erheblichen Finanznöten.