Mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachtet die Südtiroler Volkspartei (SVP) das Ergebnis der Provinzwahlen am vergangenen Wochenende. Mit 60,4 Prozent der Stimmen hat sie ihre Vormachtstellung behauptet, aber zugleich sind – wie nach den Bombenattentaten der letzten Monate zu befürchten war – die Neofaschisten (MSI) mit 10,3 Prozent zur zweitstärksten, in der Hauptstadt Bozen mit 26,7 Prozent (SVP: 19,5 Prozent) sogar zur stärksten Partei geworden.

Indem die MSI zum erstenmal sogar die Democrazia Cristiana (9,1 Prozent) überholen konnte, ist sie dabei, zur Sammelpartei der italienischen Minderheit in Südtirol zu werden, die an Angst- und Minderheitskomplexen leidet.

Luis Durnwalder, der SVP-Spitzenkandidat, der nun anstelle des 74jährigen Magnago Landeshauptmann wird, ist alarmiert: jetzt sei der Moment gekommen, den Kompromiß mit Rom über den Abschluß des Autonomiepakets schnell zu verwirklichen, sagt er. Je mehr Zeit verstreicht, desto mehr nimmt die Unzufriedenheit zu." Der SVP-Parteitag soll am 10. Dezember der österreichischen Regierung signalisieren, daß sie 1989 einen alten Streit mit Italien beilegen kann. Bestärkt sieht sich Durnwalder durch den Mißerfolg, den seine innerparteilichen Opponenten mit ihrem Warnruf "So nicht!" bei den Wahlen erlitten.

Auch die "Grüne Alternative" verzeichnete mit 6,7 Prozent einen beachtlichen Zuwachs. Sie propagiert als einzige Partei über Volkstumsstreit und Proporzdenken hinweg das tirolisch-italienische Zusammenleben. Den Traum vom Anschluß an Österreich nannte Magnago, der SVP-Chef bleiben wird, sogar im Wahlkampf eine Utopie. Sein Realismus hat zwar der Partei nicht geschadet, aber den Zulauf zu den italienischen Nationalisten nicht bremsen können.

Hj.St.