Von Marie-Luise Hauch-Fleck

Noch Ende September war sich der Spiegel sicher. "Beim deutschen Kabelfernsehen hat der internationale Mediengigant Rupert Murdoch den Fuß in der Tür", ließ das Blatt seine Leser wissen. Mit den Verhandlungen des australo-amerikanischen Medienzars über eine Beteiligung am fußkranken Münchner Privat-TV Eureka gehe es, zitierte das Nachrichtenmagazin einen Eureka-Sprecher, "gut voran". Sogar darüber, wie sich das Programm des Senders unter Murdoch ändern würde, machte sich der Spiegel bereits Gedanken: "Aus dem Kuddelmuddel-Programm würde sicherlich ein neuer deutscher Unterhaltungskanal mit starkem Informationsanteil."

Das Programm, das seit dem 1. Mai 1987 bundesweit über Kabel zu empfangen ist, wird sich von Januar 1989 an tatsächlich von Grund auf ändern. Doch Murdoch hat damit nichts zu tun. Seit Mitte Oktober hat nämlich Thomas Kirch bei dem Münchner Privat-TV das Sagen. Der Dreißigjährige hält zwar nur 49 Prozent der Anteile. Die restlichen 51 Prozent bleiben bei Gerhard Ackermans, Mitinhaber der Mönchengladbacher Lebensmittelkette Allkauf und zuletzt Alleingesellschafter von Eureka. Für die "operative Führung des Senders" und damit für die Programmentscheidungen aber sei, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung der beiden Gesellschafter, in Zukunft Thomas Kirch verantwortlich.

Für die Medienszene ist der junge Kirch bisher noch ein unbeschriebenes Blatt. Um so bekannter allerdings ist sein Vater: Leo Kirch, Münchner Medienzar und größter bundesdeutscher Filmhändler.

Mit dem Einstieg seines einzigen Sohnes bei Eureka ist Leo Kirch ein Schachzug gelungen, mit dem er nicht nur seinen Ruf als ausgefuchster Taktiker bestätigt, sondern längerfristig auch für nachhaltige Unruhe in der deutschen Privat-TV-Szene sorgen könnte. Denn mit der Beteiligung von Thomas Kirch an Eureka entsteht für RTLplus und Sat 1 erstmals ein ernstzunehmender Konkurrent im Kampf um Zuschauerzahlen, der ebenso wie der Kölner und Mainzer Sender voll auf den Erfolg von Serien und Spielfilmen setzen will. Die attraktivsten Streifen davon aber hat Vater Kirch unter Lizenz.

Daraus, daß er dringend nach neuen Partnern Ausschau hielt, hatte Gerhard Ackermans seit Monaten keinen Hehl gemacht. Es sei ihm "auf die Dauer zuviel", klagte der Mönchengladbacher schon im Frühjahr, als größter Anteilseigner den Hauptteil der Eureka-Verluste ausgleichen zu müssen. Die sind in der Tat beachtlich. Allein in diesem Jahr wird der Sender voraussichtlich über dreißig Millionen Mark Defizit machen – und das, obwohl sich die Verantwortlichen rühmten, das billigste Programm der vier bundesdeutschen Privatsender zu produzieren. Das merkte man den Beiträgen auch deutlich an. Die Kritik war verheerend, die Zuschauerzahlen blieben unter einem Prozent der potentiellen Zuschauer in verkabelten Haushalten. "Der Sender bietet einen trefflichen Lehrpfad durch sämtliche Spielformen, Neuerungen und Abirrungen des Privatfernsehens", urteilte beispielsweise der Berliner Tagesspiegel in einem Porträt des Senders. Und der Spiegel befand: "Das Münchner Programm präsentiert das wohl seltsamste Sammelsurium, das im deutschen Kabelfernsehen zu bestaunen ist."

Die Eigendarstellung klingt da ganz anders. "Eureka, der deutschsprachige Nachrichten- und Informationssender" und "das Programm für Leute, die vom Fernsehen mehr verlangen", heißt es vollmundig. Tatsächlich füllt der Sender seine Programmzeit bisher über weite Strecken mit Fernsehserien, die von dem amerikanischen Waschmittelhersteller Procter&Gamble produziert werden und der dafür als Gegenleistung billige Werbezeiten eingeräumt bekommt, mit Nachrichten von der United States Information Agency (USIA), die direkt dem Weißen Haus unterstellt ist, und mit Teleshopping. Bei dieser noch immer umstrittenen Sendeform war Eureka bundesweit Vorreiter – ganz im Sinne von Gerhard Ackermans. Denn der sieht in Eureka nicht nur einen "Sender für Industrie und Handel", sondern auch einen elektronischen "Vertriebsweg" für Waren.