Eine Zeitlang schienen die Schlagzeilen des Jahres 1988 zu suggerieren, der Ausbruch des allgemeinen Weltfriedens sei kaum noch aufzuhalten. Inzwischen tritt der Fortschritt wieder auf der Stelle und zieht Wechsel auf die Zukunft: Für die Abrüstungsverhandlungen zwischen Ost und West, bei den Genfer Friedensverhandlungen zwischen dem Iran und Irak, für das militärische Disengagement in Afghanistan, im südlichen Afrika oder in Kambodscha. Auch sonst gibt es Anlaß, sich des globalen Grundgesetzes zu erinnern wie es Robert Musil formuliert hat: "Denn das Maß der Widerwärtigkeiten und Schlechtigkeiten wird augenblicklich wieder durch neue aufgefüllt als glitte das eine Bein der Welt immer zurück, wenn sich das andere vorschiebt."

Den so fragil beschriebenen Stand der Welt zumal dort einzusehen, wo es um die komplizierten Zusammenhänge zwischen Sicherheit, Rüstung und Abrüstung geht, bedarf der Zeitgenosse, ob optimistisch oder pessimistisch, zur Orientierung zuverlässiger facts, figures and analyses, um eine Schneise im Dschungel der Widersprüche des Tages zu finden. Diese Schneise bahnt ihm das

  • SIPRI Yearbook 1988

World Armaments and Disarmament

Oxford University Press 1988.

das der internationale Expertenstab des Stockholm International Peace Research Institute unter seinem Direktor Walther Stützle erarbeitet und – in der bewährten Form und Aufteilung des Vorjahres – herausgegeben hat (Waffen und Technologie; militärische Ausgaben, Waffenhandel, bewaffnete Konflikte; Entwicklungen in der Rüstungskontrolle; spezielle Probleme).

Der 600 Seiten starke Band bündelt Darstellung und Untersuchung der Ereignisse des Jahres 1987. Dabei nehmen allein über 100 Seiten Dokumentation und Analyse des INF-Vertrages ein, des ersten wirklichen Abrüstungsabkommens zwischen den beiden Supermächten, das wegen der Verifikationsvereinbarungen weit über sich hinaus weist. Daß die damit praktizierte Vertrauensbildung durch Glasnost noch nicht allenthalben Vorbild ist, belegt die Unvollständigkeit des Kalenders geplanter Manöver in Europa für 1989: Nur 19 der von SIPRI angeschriebenen 35 Staaten antworten auf die Fragen der Stockholmer Friedensforscher.