Über die Ursachen der Arbeitslosigkeit wird in der Wissenschaft einseitig diskutiert

Von Wolfganz Franz

Alleinvertretungsansprüche sind nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wissenschaft meistens nicht lang durchzuhalten. Insbesondere die Diskussion über die Ursachen der Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik ist streckenweise durch eine unversöhnliche Konfrontation von Lehrmeinungen gekennzeichnet. Natürlich ist es nicht schwer, einseitig zu argumentieren. Man nehme: eine geeignete Sektorenbildung, eine passende Zeitperiode und eine geschickte Definition der zur Debatte stehenden Größen. Und schon hat man das gewünschte, der Vormeinung entsprechende Resultat, wie folgendes Beispiel illustrieren mag.

Von 1970 bis 1983 stiegen im verarbeitenden Gewerbe die realen Lohnstückkosten um zwölf Prozent, während die Zahl der Beschäftigten um 22 Prozent abnahm. Für den Dienstleistungssektor bleiben die Ziffern gleich, nur das Vorzeichen wechselt: Die realen Lohnstückkosten fielen um zwölf Prozent, während die Zahl der Beschäftigten um die bereits bekannten 22 Prozent zunahm. Vor diesem exakt gegenläufigen Zusammenhang muß wohl auch der engagierteste Verfechter eines gesamtwirtschaftlichen Nachfragemanagements kapitulieren. Oder doch nicht?

In der Tat werden die wenigsten Ökonomen bestreiten, daß Unternehmen bei hohen Reallohnkosten versuchen werden, Arbeit durch Sachkapital zu besteht wenig Veranlassung wirtschaftspolitischen Schlußfolgerungen. Drehen wir die Argumentation einfach um. Führen niedrigere Reallöhne automatisch zu höherer Beschäftigung? Wohl nur dann, wenn die Firmen davon ausgehen, daß genügend Nachfrage nach den Gütern vorhanden ist, die sie mit den auf Grund der Lohnsenkung zusätzlich eingestellten Arbeitskräften produzieren können. Eine solche Vermutung ist bei Lohnsenkungen nun alles andere als eine gesicherte Hypothese.

So gesehen könnte man für das obige Zahlenbeispiel auch eine entgegengesetzte, ebenso einseitige Erklärung finden, nämlich, daß die Beschäftigungszunahme im Dienstleistungssektor ausschließlich auf Nachfrageverschiebungen zugunsten dieses Wirtschaftszweiges zurückzuführen ist.

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