Deutlich war zu spüren, daß der stürmische Applaus nicht nur Beifall ausdrückte, sondern auch Theaterhunger, die Hoffnung auf theatralische Aufregung. Und Sympathie, unübersehbar, wenn an diesen Abenden der frischgebackene Generalintendant mit seiner aparten Gemahlin nach den Vorstellungen durch die kommunikationsfreudiger gewordenen Foyers flanierte und für jeden das richtige Wort fand, für den Komponisten und das Ensemblemitglied, den Kritiker und den Besucher.

Chefredakteur Wolfgang Ruf in einem "Editorial" des Theater-Fachblatts "Die Deutsche Bühne" – ein Theater-Erlebnis in Wuppertal beschwörend.

Feiern à la Ligeti

Andere lassen sich einen Orden anheften mit Streichquartett, feiern klatschkolumnenreif mit Fürstin Gloriosa und Graf Mickmack oder entfliehen inkognito nach Gran Canaria. Der Komponist György Ligeti hatte sich zu seinem 65. Geburtstag ein wunderbares Fest ganz eigener Art gewünscht und, zusammen mit der Hamburger Akademie der Künste, der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, der Staatsoper und dem NDR inszeniert: Mit Freunden und Kollegen von überallher und seinen Studenten wurde zwischen dem 17. Oktober und 17. November an neun Tagen musiziert und diskutiert. Von Conlon Nancarow, dem alten Zaubermeister der Playerpiano-Musik aus Mexiko bis zu den Ligeti-Schülern Xiaoyong Chen und Hans Peter Reuter, von Gerhard Kubik, dem Musikethnologen aus Wien, bis zu Simha Arom, dem Musikethnologen aus Paris, von einer Trommlergruppe aus Uganda bis zu Manfred Eigen, dem Chemie-Nobelpreisträger aus Göttingen, gab es ein Vortrags- und Konzert-Programm, das kein Intendantenhirn sich je hätte ausdenken mögen. Und überall und mittendrin Ligeti: preisend, erklärend, umarmend, diskutierend, belebend. Und natürlich gab es auch seine Musik, deren Herkunft und Wirkung auf einmal in einem großen Zeit-Zusammenhang deutlich wurde. Ein Dank dem Jubilar für dieses außergewöhnliche Geburtstagsfest, das einen Hauch von Welt in die hamburgische Provinz brachte!

Goethe, ein Märchen

Lange Zeit (und bis heute ohne Ergebnis) haben die Goethe-Interpreten darüber gerätselt, woran die unselige Marie Beaumarchais in Goethes jugendlichem Trauerspiel "Clavigo" stirbt. Ganz banal an der Schwindsucht (so die medizinische Version)? Oder doch an gebrochenem Herzen (so die romantische Lesart)? Seit dem vergangenen Sonntag wissen wir es: Marie Beaumarchais starb am Schnupfen. Und zwar nicht einmal an ihrem eigenen. Sondern am Schnupfen eines badischen Tennislehrers und Gebrauchtwagenhändlers.

Der Casus klingt verwickelt – er bedarf der Erklärung.