Im Ruhrgebiet wächst die Hoffnung stärker als die Investitionen

Von Heinz-Günter Kemmer

Nur eine Woche und einige hundert Meter trennten die beiden Veranstaltungen – und doch lagen Welten zwischen ihnen. Beinahe überschäumender Optimismus bei einer Pressekonferenz der Industrie- und Handelskammern (IHK) des Ruhrgebiets in Dortmund, Sorgen über Sorgen auf dem Kongreß der Industriegewerkschaft Bergbau und Energie in der Westfalenhalle.

Es war eine Konfrontation des alten Reviers mit dem neuen. Bei den Bergleuten der Kampf um die Erhaltung ihrer Arbeitsplätze, bei den Kammern Aufbruch zu neuen Ufern, Marsch über die Trümmer der alten Montanindustrie hinweg in eine moderne Technologie- und Dienstleistungsgesellschaft.

Der Strukturwandel im Revier läuft auf vollen Touren, aber der Dortmunder IHK-Präsident Alfred Voßschulte warnte vor der Illusion, alle Probleme des Reviers seien plötzlich wie weggeblasen: "Für die Montanbereiche bestehen sie vielmehr fort und sind lediglich durch die günstige konjunkturelle Situation überdeckt und gemildert worden." In der Tat geht der Personalabbau im Bergbau weiter, und auch beim Stahl gibt es nur ein Moratorium, das mit dem Abklingen des Booms ein Ende haben wird.

Daß der Bergbau auf der abschüssigen Bahn bleiben wird, wurde auf dem Kongreß der Bergarbeitergewerkschaft mehr als deutlich. Zwar verzichtete keiner der Festredner darauf, den Bergbau und vor allem die Bergleute seiner Wertschätzung zu versichern – einklagbare Versprechungen der derzeit in Bonn Regierenden gab es aber nicht. Bundeskanzler Helmut Kohl feierte den faulen Kompromiß der Koalition über die Finanzierung des Jahrhundertvertrages als Erfolg, und der FDP-Vorsitzende Otto Graf Lambsdorff war der Auffassung, die Zustimmung revierferner Länder sei nicht einmal sicher.

Lambsdorff war es denn auch, der unangenehme Wahrheiten aussprach. Er griff ein Wort des stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Rudolf Dreßler, auf, der eine "Salami-Taktik" in der Kohlepolitik beklagt hatte. Lambsdorff bestritt das überhaupt nicht, stellte aber flugs fest, nur wegen der scheibchenweise vorgenommenen Fördersenkung sei der Bergbau überhaupt noch finanzierbar. Und an dieser Salami-Taktik wird sich auch in Zukunft nichts ändern – das Revier tut gut daran, sich mit einem weiter schrumpfenden Bergbau abzufinden.