Denn Babettes Essen ist die reine Verführung: Schildkrötensuppe, Blinis Davidoff, cailles en sarcophage (getrüffelte Wachteln in Blätterteig), dazu Amontillado, einen Veuve Cliquot und Bordeaux vom Besten. Und während die christlichen Asketen diese Kostbarkeiten schweigend in sich hineinstopfen, erzählt Lorens Löwenhjelm, mittlerweile General, die Geschichte von der Küchenchefin des Pariser "Café Anglais", die ihren Gästen den Vorgeschmack des Paradieses zu kosten gab und im Jahr der Commune plötzlich verschwand. An diesem Abend kehrt sie zurück.

"Babettes Fest" von Gabriel Axel gewann in diesem Jahr den Oscar für den besten ausländischen Film. Wer Literaturverfilmungen prinzipiell ablehnt, wird auch diese mit frommen Wahrheiten abtun können. Wer sich aber sehnt nach der zerbrechlichen Einheit von Wort und Bild, die das Kino noch manchmal erreicht, für den ist die Tafel gedeckt.

Andreas Kilb