„In Harlem würden sie nur kichern“ von Dohnanyi stand in seinem Arbeitszimmer vor dem Fernsehgerät. Den Bürgermeister begeisterte, was er sah: In der Hafenstraße räumten die Bewohner und ihre Unterstützer die Barrikaden weg. Am Nachmittag des 19. November 1987 war die drohende Schlacht um die Häuser am Elbufer abgewendet. Und die Nation hatte einen neuen Helden.

Auf dem Höhepunkt der Konfrontation, als 6000 Polizisten zum Sturm auf die Festung am Hafen aufmarschiert waren, hatte Dohnanyi einen risikoreichen Alleingang gewagt. Gegen die Mehrheit in Senat und Bürgerschaft, gegen das Votum der Sicherheitsexperten wollte er der „friedlichen Lösung“ eine letzte Chance geben. „Bauen Sie die Barrikaden ab“, appellierte er an die Hafensträßler. „Dann bekommen Sie den Pachtvertrag. Dafür verpfände ich mein politisches Wort. Dafür werde ich mein Amt als Bürgermeister dann in die Waagschale werfen.“

Die Bewohner vertrauten dem Bürgermeister. Dohnanyi hielt Wort und unterschrieb den „derzeit brisantesten Kontrakt der Republik“ (Spiegel). Der Bürgermeister anschließend zum Hafenstraßen-Anwalt Rainer Blohm: „Nun bring’s hin und sag’s den Leuten.“ Klaus von Dohnanyi hatte in seiner Vaterstadt Frieden gestiftet.

Einen trügerischen Frieden. Denn das „Wunder von Hamburg“ blieb Episode. Heute, gut zwölf Monate nach dem Abschluß des Pachtvertrages, spitzt sich der Konflikt um die Hafenstraße erneut zu. Henning Voscherau, Nachfolger Dohnanyis im Bürgermeisteramt, ist fest entschlossen, das ungeliebte Wohnprojekt zu beenden. Für Voscherau, der Dohnanyis Kompromißlinie von Anfang an für falsch hielt, bleibt die Situation in der Hafenstraße „inakzeptabel“. In einer vertraulichen Senatsdrucksache des Bürgermeisters von Ende November heißt es lapidar: „Es ist festzustellen, daß Hauptziele des Pachtvertrages ein Jahr nach dessen Abschluß immer noch nicht erreicht sind.“

Zum zweiten Mal macht ein Bürgermeister die Hafenstraße zur Chefsache, ganz so, als hätte die Hansestadt keine anderen Sorgen. Dabei ist Hamburg praktisch pleite. Voscherau selbst bekennt: „Die Zahlungsfähigkeit dieser Stadt ist vielleicht noch in dieser Legislaturperiode beendet.“ Die Arbeitslosigkeit liegt weit über dem Bundesdurchschnitt. Rund 90 000 Hamburger haben keinen Job. Die Wirtschaftsstruktur ist veraltet, eine träge Bürokratie und eine komplizierte Verwaltungsstruktur verhindern bei vielversprechenden Ansiedlungsvorhaben schnelle Entscheidungen. Dennoch überlagert das Symbolproblem Hafenstraße alles andere. Hat die Hansestadt über acht Häusern am Hafenrand ihre politischen Maßstäbe verloren? „In Harlem würden die doch nur kichern über diese Häuserchen“, mokiert sich selbst ein Senator. Ein anderer begreift die ganze Aufregung über „diese paar Hanseln“ am Hafen nicht. „Daß wir hier in irgendeiner Weise eine Herausforderung des Staates hätten, vermag ich nicht festzustellen.“ Henning Voscherau indes sieht die- A se Herausforderung sehr wohl. Der Bürgermeister beklagt die „jederzeitige Vorführbarkeit der Ohnmacht des Rechtsstaats, der auf individuelle Beweise angewiesen ist, aber auf eine Strategie trifft, die Strafverfolgung de facto oft unmöglich macht“. Auf die Frage, wie lange er im Amt bleiben werde, sagte er in einem Zeitungsinterview: „An dieser Entscheidung werden die Bewohnerinnen und Bewohner der Hafenstraße vielleicht einen größeren Anteil haben, als manche Leute glauben und vielleicht auch sie selbst glauben.“

Entscheidet also die Hafenstraße darüber, wer in Hamburg regiert? Zumindest scheint Voscherau dies zu glauben. Mit dem ungelösten Problem der alternativen Zwingburg will er 1991 nicht in den Wahlkampf gehen. Mit einem Befreiungsschlag am Hafen, so mag er kalkulieren, hätten die Sozialdemokraten die absolute Mehrheit bei der nächsten Bürgerschaftswahl in der Tasche. Beim liberalen Koalitionspartner erkennt man für den „populistischen Kurs“ des Ersten Bürgermeisters drei Beweggründe: Voscherau wolle sich als „Macher“ profilieren; er sei bestrebt, der lendenlahmen Hamburger CDU das letzte Wahlkampfthema wegzunehmen; und er möchte endgültig aus dem Schatten Dohnanyis heraustreten.

Voscherau selbst hat solche Spekulationen mit einem Brief an die SPD-Führung genährt. Darin ließ er Parteichef Hans-Jochen Vogel und dessen Stellvertreter wissen, daß er „den harten Weg nicht scheuen“ werde. In diesem Falle benötige er die „uneingeschränkte Unterstützung“ der Spitzengenossen. Voscheraus Begründung für die vorsorgliche Bitte um Flankenschutz: „Meine Einschätzung geht dahin, daß die Stadt sich die Tolerierung derartiger Zustände nicht mehr sehr lange wird bieten lassen und daß mein Erfolg und derjenige des Koalitionssenats sich noch vor Ablauf der Hamburger Wahlperiode daran entscheiden wird, ob es gelingt, des Problems Herr zu werden.“

Nun täte man Henning Voscherau gewiß Unrecht, wollte man ihm nur wahltaktische Überlegungen unterstellen. Tatsächlich ist an der Hafenstraße nach dem Abschluß des Pachtvertrages keine Ruhe eingekehrt. Ein Bericht der Justizbehörde an den Bürgermeister zählte für die Zeit vom 22. November 1987 bis zum 29. Juni 1988 nicht weniger als 210 strafrechtliche Ermittlungsverfahren auf; nur in zehn Fällen konnten die Täter dingfest gemacht werden. Bis zu sechs Autoaufbrüche an einem einzigen Tag, Angriffe auf Funkstreifenbesatzungen, Touristen und Passanten; die Häuser als Fluchtburg, Schutz für Straftäter aus der Szene: Längst spricht die Hamburger Polizei von einem „System Hafenstraße“, in dem eine Strafverfolgung kaum noch möglich sei.

Doch nicht so sehr die Straftaten bereiten dem Senat Sorgen. Die gibt es überall in der Stadt. Weit ernster genommen wird ihre Verknüpfung mit der politischen Militanz. Die „Mischung von Politstrategie einer kleinen in-group plus Instrumentalisierbarkeit einer größeren Wohnfraktion“ macht für Voscherau die Situation am Hafen so brisant.

Für den CDU-Fraktionschef Hartmut Perschau steht fest, daß die Hafenstraße „das logistische Zentrum vieler Gewaltaktionen in dieser Stadt darstellt“. Der Senat dürfe nicht immer nur den „rechtsfreien Raum“ beklagen, er müsse die individuelle Strafverfolgung auch durchsetzen. „Und wenn es bei dieser Strafverfolgung kollektiven Widerstand gegen die Staatsgewalt gibt, dann kann ich räumen.“

Räumen würde wohl am liebsten auch der Bürgermeister. Aber der Jurist Voscherau weiß natürlich um die rechtlichen Probleme, die dem – nach Abschluß des Pachtvertrages mehr denn je – entgegenstehen. Er wird sich hüten, sich bei den Gerichten eine Abfuhr zu holen. Dabei sieht der SPD-Bürgermeister die politische Herausforderung eher noch dramatischer als der CDU-Oppositionsführer. Für Voscherau hat sich um die Hafenstraße herum längst ein staatsfreier Raum gebildet: „Das Gewaltmonopol ist gebrochen; ich spreche nicht nur davon, daß die polizeiliche Arbeit behindert wird.“

Besonders zwei Vorfälle haben in Hamburg die Diskussion um die politisch motivierte Gewalt neu entfacht: Obwohl sie der Hafenstraße nicht beweiskräftig zugeordnet werden können, gefährden sie doch die Weiterexistenz des Wohnprojekts: Am 19. September 1988 veranstaltete die Friedrich-Ebert-Stiftung in der Hamburger Katholischen Akademie eine Podiumsdiskussion anläßlich der IWF-Tagung in West-Berlin. Plötzlich stürtmen 20 bis 30 schwarz Vermummte in den Saal. Mit Stangen schlugen sie auf Günter Grosche, den deutschen Exekutivdirektor beim IWF, ein, und übergössen ihn mit Tierblut. Prügel bezog auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Ingomar Hauchler. Noch bevor die fünf anwesenden Zivilbeamten der Polizei eingreifen konnten, verschwand das Rollkommando. „Wir vermuten, daß die Täter aus dem autonomen, antiimperialistischen Bereich kommen“, erklärte Innensenator Werner Hackmann hinterher.

Den Bürgermeister erinnert der Überfall auf die Katholische Akademie an SA-Methoden. „Ich will in Hamburg keine Verhältnisse wie am Ende der Weimarer Republik“, erklärt Voscherau im Senat erregt. Doch er kann nichts unternehmen. Zwar melden sich im Rathaus zwei Zeugen, die beobachtet haben wollen, wie die Schlägertruppe in Richtung Hafenstraße abzog. Doch die Zeugen – ein Ehepaar, das in der Szene wohnt – sind nicht bereit, ein gerichtsverwertbares Vernehmungsprotokoll aufnehmen zu lassen. Sie haben Angst.

Am 30. November debattierte die Bürgerschaft gerade über die „Neunte Novelle des Arbeitsförderungsgesetzes“, als etwa 40 teilweise Vermummte mit Transparenten in den Plenarsaal eindrangen. „Isolationshaft ist Folter – Zusammenlegung sofort“, skandierte die Gruppe. Vor der anrückenden Polizei flüchtete sie in die Fraktionsräume der Grün-Alternativen Liste (GAL). Dort wurden schließlich von 49 Demonstranten die Personalien aufgenommen.

Der Hintergrund der Aktion im Rathaus: Zwei Tage zuvor hatte vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht ein Prozeß gegen den Diplomphysiker Fritz Storim begonnen. Die Anklage lautet auf „Unterstützung einer terroristischen Vereinigung“. Fritz Storim wohnt in der Hafenstraße. Dort haben die Bewohner nächtens neue Parolen auf eine Hauswand gepinselt: „Isolationshaft ist Folter in faschistischer Kontinuität“; „Unterstützen auch Sie eine revolutionäre Vereinigung“!

Unter den Rathaus-Randalierern hat die Polizei „einige Leute aus dem engeren RAF-Umfeld und bekannte Gewalttäter aus der Hafenstraße“ ausgemacht. Doch nur ein Störer ist tatsächlich in der Hafenstraße gemeldet. Am Dienstag dieser Woche forderte der Senat von der Lawaetz-Stiftung, der Eigentümerin der Häuser, eine zweite Abmahnung des Vereins Hafenstraße. Einer der Gründe: Noch immer liegen nicht alle Mietverträge vor. Der Senat vermutet, daß noch andere aus dem Störtrupp in der Hafenstraße wohnen, ohne dort gemeldet zu sein. Es bestehe noch „Ermittlungsbedarf“, verkündet Bürgermeister Voscherau. Den würde es nicht geben, lägen alle Mietverhältnisse offen vor.

Nach dem Eklat im Plenarsaal erklärt die Bürgerschaftspräsidentin Helga Elstner (SPD), der Vorfall sei „einmalig seit 1945, so etwas hat es seit den Nazis nicht mehr in Hamburg gegeben“. Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Paul Busse fühlt sich „an 1933“ erinnert, „als die SA-Horden lärmend in die Hamburgische Bürgerschaft einzogen“.

Ingo von Münch, Zweiter Bürgermeister, findet den SA-Vergleich fatal: „Wer die Sache so hoch hängt, muß natürlich auch die große Haubitze auffahren.“ Der Liberale befürchtet eine unheilvolle Eskalation zu einem Zeitpunkt, da in der Hafenstraße „endlich mal einigermaßen Ruhe“ herrsche. Münch hofft noch immer auf einen Prozeß der Normalisierung und der Ausheilung. „Auf dieses zarte Pflänzchen, das so unendlich langsam wächst, mit dem Eisregen draufzugehen, halte ich für einen Fehler.“

Doch auf dem rechten Mehrheitsflügel der Sozialdemokraten wächst die Ungeduld. Die Forderung wird lauter, endlich müsse ein Exempel statuiert werden. Anarchisten, Autonome, Antiimperialisten und RAF-Sympathisanten dürften, so die Schreckensvision der Genossen, nicht in ganzen Hamburger Stadtteilen das Geschehen diktieren. Mußte der Senat nicht das Projekt eines Musical-Theaters („Flora“) im Schanzenviertel unter dem Druck der Anwohner aufgeben? Wurden nicht in Ottensen zwei Schickeria-Lokale aufgemischt? Hat nicht der Besitzer der Cocktailbar „Meyer-Lansky’s“ auf St. Pauli nach einem Vorfall erklärt: „Die Stadt kann ihre Bürger nicht mehr schützen, und wir müssen mit der Angst weiterleben.“?

Kein Politiker in Hamburg verkennt die sozialen Ursachen der zunehmenden Bereitschaft zur Gewalt. Da ist der Niedergang innenstadtnaher Wohnquartiere, Ergebnis fehlender Investitionsbereitschaft privater Eigentümer und mangelnder Investitionsfähigkeit kommunaler Wohnungsbauunternehmen. Da ist die wachsende Deklassierung von Randgruppen, die Perspektivlosigkeit von Jugendlichen, die keine Ausbildung und keinen Beruf haben. Freilich haben andere Großstädte diese Probleme auch. Für Henning Voscherau ist das jedoch kein Grund zur Beruhigung: „Was ich nicht akzeptieren kann, ist, daß der Hinweis auf Christiania, Liverpool oder die Bronx immer benutzt wird zur Verharmlosung der Lösungsaufgabe, die es in Hamburg gibt.“

Zumal bei den Sicherheitsbehörden herrscht die Überzeugung vor, die Hafenstraße sei ein Sonderfall, ein Symbol mit bundesweiter „Sogwirkung“. Dort, erklärt Christian Lochte, der Leiter des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz, sei es in der Vorstellung von RAF-Anhängern und militanten Autonomen erstmals gelungen, sich in einer Großstadt ein „befreites Gebiet“ zu erkämpfen. Deshalb habe es in der linken Gewaltszene während der vergangenen zwei Jahre auch „kein wichtigeres Thema“ gegeben. Die „Politprofis“ unter den Bewohnern wollten keinen Frieden, für sie sei die Hafenstraße „Instrument im politischen Kampf“.

Klaus von Dohnanyi sieht dies ganz anders. Er hat von den Analysen des Verfassungsschutzes nie viel gehalten. Schon vor einem Jahr hätten ihm die Sicherheitsfachleute gesagt, die Bewohner der Hafenstraße würden die Barrikaden nie abräumen. „Sie taten es dann aber doch, weil ihnen der Pachtvertrag Sicherheit bot.“

Für den ehemaligen Bürgermeister handelt es sich bei der Hafenstraße um einen „relativ einfachen Vorgang“. Dort wohnten „gescheiterte Personen, denen Häuser zu einem Symbol geworden sind“, die im Kampf um die Häuser „plötzlich einen Sinn im Leben gefunden“ hätten. „In diesen Kampf um die Häuser mischen sich natürlich politische Kräfte ein, die gibt es, die mögen irgendwo auch Berührungen mit Sympathisanten der RAF haben, das ist ganz unbestreitbar. Aber daß da Strategen sitzen, die den Staat vorführen wollen, halte ich für Quatsch, nachdrücklich für Quatsch.“

Der Kampf am Hafen geht ins achte Jahr. Er beherrscht die Schlagzeilen der Lokalpresse und zerrt an den Nerven der Politiker. Er schreckt die Wirtschaft ab und zieht die Touristen an. Die Polizei verlangt von der Politik klare Vorgaben, die Politik fordert von der Polizei Fahndungserfolge. Wie geht eine Millionenstadt mit einer Minderheit um, die auf die Ordnung des Staates und die Normen der Gesellschaft pfeift?

Niemand tut sich mit dem „Widerstandsnest“ schwerer als die Sozialdemokraten. Der Riß geht mitten durch die Partei, zwischen denen, die „platt machen“ wollen und jenen, die die Vertragslösung Dohnanyis für den einzigen Weg halten. Für viele Genossen sei der Konflikt deshalb so schwer auszuhalten, sagt die Landesvorsitzende Traute Müller, weil „die Gesellschaft, die auch von Bewohnern der Hafenstraße angegriffen wird, eine ist, die von Sozialdemokraten – besonders hier in Hamburg – mit aufgebaut wurde“.

Doch in der SPD wächst die Zahl derjenigen, die das Vertragsmodell für gescheitert halten. Den Verteidigern des Dohnanyi-Kurses bläst der Wind ins Gesicht. Nein, sie wohne immer noch nicht am Hafen, sei auch nicht Mitglied der RAF, lautet die sarkastische Standardformel der am heftigsten attackierten Staatsrätin Wilma Simon. Für sie gehören die Hafenstraßenbewohner zum großstädtischen Leben wie die „Pfeffersäcke und der soziale Wohnungsbau mit lauter angepaßten Menschen“. Aber das gehe vielen Genossen eben nicht in den Kopf: „Sozialdemokraten sind oft auch Kleinbürger – wir sind richtig spießige Kleinbürger.“

Wilma Simon sitzt als Vertreterin der Sozialbehörde im Vorstand der Lawaetz-Stiftung. Aus ihrer Sicht ist die Entwicklung in der Hafenstraße seit Abschluß des Pachtvertrages ermutigend verlaufen. Ausdrücklich lobt sie die Selbstbeteiligung der Bewohner bei der Sanierung. Inzwischen seien 39 Mietverträge abgeschlossen, werde für Strom, Gas und Wasser ordnungsgemäß gezahlt. Ein „Mädchenpensionat“ allerdings werde aus der Hafenstraße nie, sagt Wilma Simon. Sie will weiter für eine friedliche Lösung streiten. Viel Hoffnung indes, so scheint es, hat sie nicht mehr.

Die wäre auch unbegründet. Klaus von Dohnanyi hatte den Pachtvertrag gegen den Mehrheitswillen in der SPD abgeschlossen. Ein halbes Jahr später nahm er seinen Hut. Die Erwartungen an seinen Nachfolger Voscherau waren klar: Er sollte der Partei das leidige Problem endlich vom Halse schaffen. Noch einmal will die SPD sich im Wahlkampf nicht der Schlappheit vor den Chaoten zeihen lassen. Und Voscherau hat sich mit forschen Reden („Ich neige nicht zum Weggucken!“) selbst unter Erfolgszwang gestellt.

Aber mit Gewalt und über Nacht, das weiß der Jurist Voscherau, wird er die Hafenstraße nicht los. Dem Ziel der Räumung kann er sich nur Schritt um Schritt nähern. Im nächsten Jahr wird Hamburg den 800. Hafengeburtstag feiern. Da würden die Stadtväter die Schmuddelkinder gern vorher aus dem Schaufenster nehmen. Doch die sitzen feixend auf ihren Mietverträgen. Die Idylle am Hafen wird es wohl nicht geben.