DIE ZEIT

Lasten abschütteln

Es wäre Michail Gorbatschow nicht zu verdenken, wenn er keinen Fuß mehr vor die Tore des Kremls setzte. Seine Perestrojka ist in Schwierigkeiten.

Katastrophal

Seit ein paar Tagen kennt die Öffentlichkeit nun einen weiteren Begriff aus dem Wörterbuch des Nuklearmenschen: den Normalstörfall.

Faules Ei

Nun ist mit dem Frühstücksei eine weitere scheinbar unerschütterliche britische Institution ins Wanken geraten. Verantwortlich für diesen Anschlag auf das morgendliche Ritual vieler Inselbewohner ist dieses Mal nicht die Thatcher-Revolution, sondern eine Bakterie namens Salmonella Enteridititis.

Sündenbock

Er denke gar nicht daran, die Rolle des Sündenbocks zu übernehmen, "für wen auch immer", hat Alfred Dregger soeben stolz verkündet.

Vor der Stunde der Wahrheit

Der Zufall führte am vorigen Wochenende symbolträchtige Regie. Eigentlich wollten die Grünen nur über die Europawahl diskutieren – in Karlsruhe, an jenem Ort, an dem sie sich im Januar 1980 als Partei konstituierten.

Worte der Woche

"Dieselben Leute, die uns gestern noch als ‚grüne Flicks und Barschels‘ quasi Verbrechern gleichgestellt haben, predigen jetzt, nur einen Tag später, das Übergehen zu konstruktiver Zusammenarbeit.

Zeitspiegel

ich entnehme der Berichterstattung der Medien, daß in Berlin zahlreiche Journalisten vom Landesamt für Verfassungsschutz überwacht worden sind, darunter auch der ZEIT-Kollege Michael Sontheimer.

Vertrackter Kontrakt

Keine Auskunft unter dieser Nummer: Vertreter der Bau-, Innen- und Justizbehörde verweisen dieser Tage gerne auf die Senatskanzlei, wenn nach rechtlichen Hintergründen zur Hafenstraße gefragt wird.

TagungderAlerdinck-Foundation: Eine Brücke zwischen West und Ost

Ein holländischer Geschäftsmann – unternehmend, idealistisch und von fröhlicher Natur – hat 1984 eine Stiftung gegründet, die Alerdinck-Foundation, die ihren Namen auf ein holländisches Schloß zurückführt, in dem zwei der bisherigen Tagungen stattfanden.

Streiks in Frankreich: Mit der Metro ins Rathaus

Allmählich reicht’s mir, immer diese elenden Streiks. Immer diese Gefängniswärter, Postler, Bodenmechaniker, Museumswächter, Zugführer, Bus-Chauffeure, Metroführer.

Wolfgang Ebert: Die Hand der CIA

Leser dieser Kolumne wissen, daß sie jede Übertreibung vermeidet und sich voll und ganz der Wahrheit verpflichtet fühlt. Um so eher werden sie meinem Verdacht Glauben schenken, daß mich die CIA, der meine Amerika-Glossen schon lange ein Dorn im Auge sind, auf meiner Amerika-Reise wenn nicht umbringen, so doch zumindest unschädlich machen wollte.

Weltbühne: Neue Töne im Glashaus

Wie beinahe überall auf dem Globus geht es inzwischen auch im Glashaus am New Yorker East River friedlicher zu. Die Vereinten Nationen sind zwar beileibe noch kein Gesangverein Harmonia, aber sie befleißigen sich moderaterer Töne.

Nachlese: Zurück in die Kaserne

Die jüngste Revolte der argentinischen Armee gegen die demokratisch gewählte Regierung Alfonsín ist gescheitert: Fünfhundert martialisch kostümierte Soldaten haben ihre Kriegsbemalung abgeschminkt.

Kurzportrait: Geist des Untergrunds

Sogar im Augenblick seines Triumphs, als ihn der zwölfte Parteitag der portugiesischen KP erneut zum Generalsekretär wählt, wirkt Alvaro Cunhal verschlossen und in sich gekehrt – als mißtraue der 75jährige Mann dem herzlichen Beifall, den ihm 2000 Delegierte in Porto spenden.

Bonner Bühne: Laufende Lernprozesse

Nein, das Bedienungspersonal war nicht betrunken und hat auch nicht geschlafen. Bitte keinen Vergleich mit Tschernobyl. Nein, die Kernschmelze drohte nicht, obwohl die hypothetische Frage, ob sie prinzipiell hätte drohen können, mit Ja beantwortet werden muß, aber nur für den Fall des "ungünstigen Aufeinanderschachtelns" aller denkbaren mißlichen Umstände.

Friedensschule

Auf dem Fensterrahmen des Wachhäuschens steht "Viet Cong". Offenbar hat sich nie jemand hinreichend irritiert gefühlt, um die Schrift zu entfernen, oder entfernen zu lassen.

Die geteilte Insel

Der weiße Landrover mit der blauen Flagge der Vereinten Nationen wühlt sich durch die Schlaglöcher der Hermes-Straße. Die Häuser an der ehemaligen Geschäftsstraße sind verfallen, das Dachgebälk verfault.

Betriebsrat gegen co op: Nicht loszuwerden

Auf der Betriebsversammlung der Hamburger "co op" in der vergangenen Woche ging es zu wie in einem Schwank. Mit Pfiffen und Gelächter quittierten die 2000 Zuhörer die Versuche des Personaldirektors Jörn Pachler, ihre Zukunft in rosaroten Farben zu malen.

Rufmord à la CSU: So ein Kommunist

Karl Kirchner hat ein gefährliches Hobby. Er schreibt leidenschaftlich gerne Leserbriefe – ob gegen das Robbenschlachten in Kanada oder die Rassenpolitik in Südafrika.

Von der Wiege bis zur Bahre

Es ist noch gar nicht solange her, daß sich Helmut Gies von Kollegen belächeln lassen mußte. Viele glaubten, der Chef der Aachener und Münchener Beteiligungsgesellschaft (AMB) übernehme sich beim Schmieden eines neuen Konzerns, der den Kunden möglichst alle Finanzdienstleistungen unter einem Dach anbieten soll – Versicherungspolicen, Bausparverträge, Kredite und Gehaltskonten.

GAU des Vertrauens

Dietrich Kaßmann, Landrat im hessischen Kreis Bergstraße, ist verbittert. Noch im Frühjahr ließ er seine Rettungstrupps ausschwärmen und organisierte eine aufwendige Vollübung nach dem Katastrophenschutzgesetz.

Daimler/MBB: Machtkampf

Edzard Reuter ist ein Manager, der schon vieles schaffte. Der Chef von Daimler-Benz scheint sogar Dinge hinzukriegen, an denen andere scheiterten.

SPD: Rückfall

Die SPD tut sich schwer mit der Wirtschaftspolitik. Das gilt vor allem für ihr Bemühen, sich auf eine in sich geschlossene Konzeption festzulegen.

Bonner Kulisse

Das Bonner Bildungsministerium hat kürzlich eine neue Zeitrechnung eingeführt – allerdings inoffiziell und sehr zum Verdruß von Minister Jürgen Möllemann.

Klaus-Peter Schmid:: Grenzenloser Größenwahn

Der möglichst ungehinderte Wettbewerb ist eines der Grundprinzipien der Wirtschaftsordnung in der Bundesrepublik. Das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen fixiert die Spielregeln, Kartellamt und Monopolkommission wachen über ihre Einhaltung.

Rudolf Engen: Heute wieder giftig

Immer wenn der Wahnsinn in Wirtschaft und Gesellschaft den Direktionsassistenten Dr. Günter P. von der Europäischen Management- und Marketing-Agentur (EMMA) wieder einmal besonders bitter ankommt, nimmt er sich vor, eine Satire zu schreiben; oder mehrere Satiren.

Krankenversicherung: Falsche Zähne

Dat jeht nit", sagt Heinz Walberberg mit Nachdruck ins Telephon. "Dat jeht eenfach nit. Isch dun, wat isch kann, mie kann isch nit maache.

Markt-Report: Januar im Visier

Trotz der Fragezeichen, die sich aus der Zins- und Dollarentwicklung ergeben, wächst besonders unter den inländischen institutionellen Anlegern, aber auch in der privaten Kundschaft der Mut, auf steigende Kurse zum Jahresbeginn 1989 zu setzen.

Börsenspiel: Kopf an Kopf in den Endspurt

Ein Drehbuchautor hätte es kaum spannender gestalten können. Monatelang behauptete die Bank in Liechtenstein (BIL) unangefochten und scheinbar uneinholbar die Spitzenposition im ZEIT-Börsenspiel.

LÄNDER IM VERGLEICH

Noch zu Beginn der siebziger Jahre waren japanische Autos Exoten auf europäischen Straßen. Die Japaner aber lernten schnell und machten mit niedrigen Preisen, Komplettausstattungen und hoher Qualität den europäischen Autobauern seither kräftig Konkurrenz.

Mißliche Lage

ZEIT: Frau Simonis, die Volkszählung hat ergeben, daß Schleswig-Holstein 58 000 weniger Einwohner als angenommen hat. Deshalb muß das Land nun Geld aus dem Länderfinanzausgleich und von seinen Umsatzsteueranteilen zurückzahlen.

ZEITRAFFER

Trotz des niedrigen Dollars wartet die bundesdeutsche Wirtschaft mit Außenhandelsrekorden auf. Die Exporte stiegen im Oktober auf 53,2 Milliarden Mark und übertrafen damit die bisherige Höchstmarke von 50,3 Milliarden Mark im Juni dieses Jahres.

MANAGER UND MÄRKTE

Gute Kontakte zur hohen Politik stehen in der deutschen Wirtschaft hoch im Kurs. So ist es wohl zu verstehen, wenn jetzt die Unternehmensvermittlung Dr.

Zwischen Sparen und Spendieren

Arm in Arm gegen die Bundesregierung? Arbeitgeber und Gewerkschaften, die neben Vertretern der öffentlichen Hand in der Selbstverwaltung der Bundesanstalt für Arbeit das Sagen haben, schließen derzeit eine Verfassungsklage nicht aus.

Schwerbehinderte: Phantasie statt Geld

Als im Mai 1974 das "Gesetz zur Sicherung der Eingliederung Schwerbehinderter in Arbeit, Beruf und Gesellschaft (Schwerbehindertengesetz)" in Kraft trat, schienen sich damit auch für diese Menschen die Berufschancen erheblich zu verbessern.

Italien: Goldene Verbindungen

Seit der vergangenen Woche hat die Staatliche Italienische Eisenbahn Ferrovie dello Stato (FFSS) weder einen Vorstand noch ein Präsidium.

Schiffahrt: Volle Kraft voraus

Vor dem Weihnachtsfest hat es der FDP-Bundestagsabgeordnete Manfred Richter aus Bremerhaven mit der Erfüllung eines Wunsches besonders eilig.

Vor vierzig Jahren: Die dunkle Hauptstadt

Jetzt weiß ich, daß man sehr zu Recht immer ein etwas schlechtes Gewissen hat, wenn man durch die hellerleuchteten Städte Westdeutschlands geht – aus dem warmen Büro in ein warmes Zimmer – und sich derweil vorstellt, daß die Berliner noch immer – wie wir vor zwei Jahren – in Mänteln und mit verklammten Fingern an ihren Arbeitsplätzen sitzen und zu Hause bestenfalls eine Kerze vorfinden oder eine petroleumgefüllte Konservenbüchse mit blakendem Docht.

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