Österreich befindet sich jetzt in der Situation des armen Juden, bei dem das Telephon läutet und eine Stimme fragt: „Ist dort Rothschild?“ – er legt auf mit den Worten: „Oj sind Sie falsch verbunden.“

Am Telephon der Weltgeschichte meldet sich eine Stimme mit der Anfrage: Ist dort Österreich, das alte, das neue, und ist es bereit für die Aufgabe, die immer die seine war und endlich wieder sein könnte: Mitteleuropa speziell Ost-Mitteleuropa, Südost-Mitteleuropa.

Da dürfen wir doch nicht auflegen, mit der Antwort: Falsch verbunden, wir wandern aus in die verkehrte Richtung, gen Westen, in die EG.

Unsre österreichische Aufgabe ist, eine Nation geworden zu sein – niemand Unbefugtem das Nationale zu überlassen, keinem Jongleur, der aus national, ist gleich österreichisch-national, wieder national, ist gleich deutschnational, macht.

Unsre österreichische Aufgabe ist es, als selbständige Nation einzutreten – Schritt für Schritt, mit kühnster Vorsicht jetzt gleich beginnend – in ein Bündnis von Selbständigen im sich wunderbar regenden Mitteleuropa.

Das Nationale haben die Österreicher und erst recht die Deutschen nicht hinter uns, sondern vor uns. Sind die Österreicher Deutsche, ist genau verkehrt gefragt. Die richtige Frage lautet: Sind die Deutschen Österreicher?

Österreich steht für das alte Erste Reich, den bunten Fleckerlteppich, lauter Small-is-beautiful-Einheiten, aus denen Kunst, Kultur, Geist, Religion in europafüllender Reichhaltigkeit wuchs – in einem solchen größtdeutschen Geisterreich sind wir Österreicher nach Geschichte und Sprache kulturdeutsch und österreichischnational. Aber was sind die Deutschen?