DIE ZEIT

Bescherung

Wer da mehr zu bemitleiden ist, bleibt offen – der Berliner Kardinal Meisner, dem jetzt vom höchsten römischen Vorgesetzten und Gönner zugemutet wird, seine Herde in der DDR zu verlassen, um als ungewünschter, wenn auch formal gewählter Oberhirte den erzbischöflichen Stuhl in Köln zu besteigen, oder die rheinländischen Katholiken und ihr Klerus, denen dies nach einem wenig erbaulichen Schauspiel kirchenpolitischer Ohnmachts- und Kraftakte wie eine schöne Bescherung geboten wird.

Siegeshalber

Ein Matchball kam vom Himmel hoch und bescherte allen Freunden des Tennissports im Lande große Freude. Und nicht nur ihnen. Denn es war eines jener ganz seltenen Ereignisse auf sportlichem Felde, bei denen es auch die eher Uninteressierten von den Stühlen reißt.

Klassenziel verfehlt

Die Trauben hingen diesmal noch zu hoch für den niedersächsischen Oppositionsführer Gerhard Schröder. Bei dem von ihm angestrengten Mißtrauensvotum gegen Ministerpräsident Ernst Albrecht brachte der SPD-Fraktionschef nicht einmal alle Stimmen der Sozialdemokraten und der Grünen zusammen.

Eine Ahnung von historischer Größe

Machen wirklich Männer Geschichte und Frauen den Fortschritt? Wird die Politik also tatsächlich von einzelnen Menschen bewußt und zielgerecht vorangetrieben? Oft genug sieht es so aus, als werde das Spiel der welt- und zeitgeschichtlichen Kräfte letztlich vom blinden, sinnlosen Zufall entschieden.

Ein Tabu zerbrach

Die Geringschätzung, unter der amerikanische Präsidenten auf Abruf normalerweise zu leiden haben, sollte künftig vorsichtiger dosiert werden.

Zeitspiegel

Traditionalisten und Altlinke wie Tony Benn und Bergarbeiterführer Arthur Scargill haben die ohnehin zaghaften Modernisierungsversuche der Labour-Führung um Neil Kinnock stets als „Yuppifizierung“ verspottet.

Fern vom Frieden im Jordanland

Sie reden wieder miteinander, zum erstenmal nach 13 Jahren – die amerikanische Regierung und die Palästinensische Befreiungsorganisation.

Wolfgang Ebert: Friedensdrohung

Rechtzeitig zum Weihnachtsfest, dessen anrüchiger Ruf, ein „Fest des Friedens“ zu sein – Motto: „Friede auf Erden“ –, notorisch ist, hat der Generalinspekteur der Bundeswehr Admiral Wellershoff die Deutschen vor zu großer Friedfertigkeit gewarnt.

Sie regierten uns 13 Jahre

Opposition in Permanenz, das war das Los der SPD gewesen, bis Willy Brandt 1969 die Regierung übernahm. Von da an regierten die Sozialdemokraten für die nächsten 13 Jahre.

Peru: Terror und Chaos

Ein Land zerfällt, und kein Mensch weiß, wie das verhindert werden kann: In dieser Lage befindet sich Peru. Eineinhalb Jahre vor den nächsten Präsidentenwahlen hat die sozialdemokratische Regierung den Andenstaat so weit heruntergewirtschaftet, daß augenscheinlich nicht einmal das Militär Lust verspürt, das bankrotte Land zu übernehmen.

DDR-Verordnung über Reisemöglichkeiten: Freiwillige Freizügigkeit?

Das Echo steht in keinem Verhältnis zum Ereignis. Obwohl es sich um einen der bedeutendsten Fortschritte der deutsch-deutschen Politik handelt, ist die Verordnung, mit der die DDR die letzthin geradezu sensationell ausgeweiteten Reisemöglichkeiten in den Westen nun auch auf eine förmliche Rechtsgrundlage gestellt hat, bisher ohne große Resonanz geblieben.

Weltbühne: Terrorist und Staatsmann

Hochverrat sei nur eine Frage des Zeitpunktes, witzelte einst Talleyrand, der als wendiger Minister zwischen Ancien régime und Bourbonen-Restauration manche Nachwehen der Revolution überlebte.

Bonner Bühne: Rückkehr in den Salon

Aus der SPD ist er 1961 ausgeschlossen worden. Später trat er noch einmal ein, im Jahr 1969 verließ er die Partei dann wieder – "seitdem hat sich mein Verhältnis zur Sozialdemokratie fortwährend gebessert".

Kurzportrait: Dogmatiker im Ruhestand

Als im Frühjahr dieses Jahres das tschechoslowakische Parteiorgan Rudé Právo den Abdruck der Memoiren von Vasil Bilak ablehnte, sahen viele den Anfang vom Ende dieses Politikers gekommen.

Nachlese: Curry and eggs

Die rachsüchtige Landwirtschaftslobby verlangte ihren Kopf: Edvina Curry, die Scharfzüngige, mußte gehen, obgleich oder vielleicht gerade weil sie die Wahrheit gesagt hatte.

Mit Jesus auf Tuchfühlung

Für viele Gläubige und die Turiner Kurie ist und bleibt das Turiner Grabtuch ein "himmlisches Zeichen"

Roma-Abschiebung: Zuflucht Hafenstraße

Wenn die beiden Freunde an ihre Vergangenheit in Jugoslawien denken und ein deutsches Wort suchen, um zu beschreiben, was sie damit verbinden, kommt immer das gleiche: Dunkelheit.

„Schwarzgeldklinik“: Schlampereien und Schludereien

Vera Rüdiger, seit einem Jahr SPD-Senatorin für Gesundheit und für Bundesangelegenheiten in Bremen, hat Kummer. Sie kämpft um den Ruf einer Klinik, die – lange vor Rüdigers Amtsbeginn – in Verruf gekommen war: wegen krimineller Machenschaften und organisatorischer Schlampereien.

Ach, Ludwig!

Nicht 17,5 Prozent, sondern 27,5 Prozent der Anrufer in Frankreich waren nach dem Fernsehprozeß gegen Ludwig XVI. und für die Hinrichtung des Königs.

Oberhausener Visionen

Der Leitende Ministerialrat Wolf Schade aus dem Düsseldorfer Wirtschaftsministerium ist schon auf dem Sprung zum Flughafen. Zeit für ein Gespräch hat er jetzt nicht: „Mein Flieger geht um zehn.

Lokalpatriotismus: Oktogon im Wohnzimmer

Doch ihre Vorschläge lieferten nur den Lokalzeitungen Schlagzeilen. Die großen Blätter berichteten „fast ausnahmslos positiv“, wie das Westfälische Landesmuseum zufrieden feststellte.

Rechtsprechung unter Druck?: Ein Richter im Kreuzfeuer

Hinter vorgehaltener Hand tat in Tübinger Anwaltskanzleien, Richterzimmern und Büros der Staatsanwaltschaft seit langem schon mancher Verwunderung und Empörung kund über die Art, wie die Zweite Große Strafkammer des Landgerichts Tübingen zuweilen mit Angeklagten umging.

Ausländer-Haß: Was Müller alles nicht paßt

Wenn ich gewußt hätte, daß es so werden wird in Deutschland, ich wäre nie gekommen!“ Seit die gebürtige Italienerin Maria Califano in der Lokalzeitung ihres Wohnortes Wetzlar einen Leserbrief zur Situation der Gastarbeiter schrieb, schlagen ihr Ablehnung und Haß entgegen.

Volkswagen im Härtetest

Anders als der große Konkurrent Fiat ist der VW-Konzern für die Zukunft schlecht gerüstet

Auf dem Abstellgleis

Bundesbahn-Chef Reiner Gohlke vernahm die frohe Botschaft, doch ihm fehlte noch der Glaube. Verkehrsminister Jürgen Warnke hatte den Kongreß der Eisenbahner Deutschlands Mitte Oktober genutzt, um ein völlig neues Konzept zur Bonner Bahnpolitik zu verkünden.

Fritz Vorholz:: Der geklaute Wohlstand

In der nüchternen Welt der Wirtschaft hat eine Zahl den Charakter eines Fetischs: die über das Wachstum des Sozialprodukts. Wie jedes Jahr werden die Statistiker bald bis auf die letzte Mark ausgerechnet haben, daß die Deutschen noch nie so viel verdienten wie 1988.

Bonner Kulisse

Bundesfinanzminister Gerhard Stoltenberg hat etwas geschafft, was schon lange keinem Minister gelungen ist: die Auflösung einer Abteilung.

Arbeitsmarkt: Hundert Prozent oder gar nichts

Mit vorsichtigen Schritten kommt Gerd Schuhmacher herein und setzt sich auf den Stuhl hinter dem Schreibtisch. Er greift nach der Tischkante und läßt die Fingerspitzen nervös daran entlangfahren.

Fatale Schuldenpraxis

Auf der zweiten International Financing Round Table Conference in Schloß Szirák, Ungarn, sagte Professor B.G................

Zwang zum Erfolg

Vorschläge für eine wirtschaftliche Kooperation zwischen den Staaten des Ostblocks und der Europäischen Gemeinschaft

Bank und Börse: Schwere Hypothek

Die Aufregung um die am 24. November vom Bundesgerichtshof verkündeten Urteile zur korrekten Verrechnung der Tilgung bei Hypothekenkrediten (Aktenzeichen: III ZR 156/87 und III ZR 188/87) hat sich noch nicht gelegt.

LÄNDER IM VERGLEICH

Die Franzosen sind das trinkfreudigste Volk der Welt. Ihre ausgeprägte Vorliebe fordert einen hohen Preis. In Frankreich sterben, prozentual gesehen, die meisten Menschen an Leberzirrhose.

ZEITRAFFER

Hohe Arbeitslosigkeit hat die Ausgaben für Sozialhilfe rapide steigen lassen. Rund drei Milliarden Mark oder zwölf Prozent der „Hilfen zum Lebensunterhalt“ sind heute direkte Folge der seit Jahren schlechten Lage auf dem Arbeitsmarkt.

Rudolf Engen: Schule und Leben

Immer wenn es auf Weihnachten geht, fragt ein befreundeter Studienrat bei Direktionsassistent Dr. Günter P. in der Europäischen Management- und Marketing-Agentur (EMMA) an: „Was sollen wir dieses Jahr in der Schule als Weihnachtsmärchen aufführen? Es muß traditionsbewußt und modern sein, feierlich, ein bißchen lustig und mit einer Moral.

MANAGER UND MÄRKTE

Im Kampf um die Fernsehrechte an Sportveranstaltungen ist der Hamburger Bertelsmann-Tochter Ufa Film- und Fernseh GmbH ein spektakulärer Coup gelungen.

Nicht eingeschüchtert

ZEIT: Der Nudelhersteller Birkel klagt gegen das Land Baden-Württemberg auf Schadenersatz von 43,2 Millionen Mark...........

Im Nerv getroffen

Mit der Gründung einer Lebensversicherung bricht die Deutsche Bank verkrustete Strukturen der Assekuranz auf

Ausbildung: Mehr Chancen für die Jugend

„Hallo Azubis“, lockt der Damenoberbekleidungsbetrieb, „bei uns sind Lehrstellen zum 1. August 1989 frei“, und bietet Ausbildungsplätze für Bekleidungsnäher und -fertiger.

Paulus, die Barbaren und die Schlange

Die beiden letzten Kapitel der Apostelgeschichte sind in den üblichen Bibeln zum Teil schlecht übersetzt, da sich die Herausgeber auf die Malta-Theorie festgelegt hatten.

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