Seit November hat die Lufthansa im Inland Konkurrenz bekommen: Aero Lloyd fliegt ebenfalls im Liniendienst. Doch vorerst starten die Frankfurter Ferienflieger mit vielen leeren Sitzen ins Liniengeschäft.

Mit täglich 16 Flügen zwischen Hamburg und München, München und Frankfurt sowie Frankfurt/Hamburg und Düsseldorf/Hamburg will Aero-Lloyd-Manager Bogomir Gradisnik dem seit 30 Jahren unangefochtenen Monopolisten Lufthansa die Passagiere abspenstig machen. Geflogen wird mit Jets vom Typ DC-9 und den modernen MD-83 und MD-87.

Um sich von der etwas lieblosen Lufthansa-Verpflegung mit belegten Brötchen im Plastikbeutel abzusetzen, serviert Aero Lloyd morgens ein Frühstückstablett, am Abend gibt es eine kalte Platte. Wichtigster Anreiz zum Umsteigen auf Aero Lloyd sollen jedoch die Preise sein. Sie liegen zehn bis 15 Prozent unter denen der Lufthansa. „Wir können und wollen noch weiter runter, aber das erlaubt uns das Bonner Verkehrsministerium nicht“, klagt Gradisnik.

So waren die Wochen nach dem Start seiner neuen Liniengesellschaft auch eher ein Flop. Immer wieder fliegen die Aero-Lloyd-Jets als Geisterflugzeuge mit nur drei oder vier Passagieren an Bord. Als Aero Lloyd im November knapp 20 Flüge wegen Mangel an Fluggästen annullierte, kassierten die mit sonst vollen Flugzeugen verwöhnten Charterflieger sogleich einen Anpfiff aus Bonn: Linienflüge müssen starten, auch wenn nur ein einsamer Passagier auf den Heimflug wartet.

Als Ursache für den flauen Anfang sieht die Branche unter anderem die dilettantische Werbepolitik des Newcomers. Weil die Genehmigung aus Bonn erst fünf Wochen vor dem ersten Flug eintraf, blieb angeblich keine Zeit für eine Kampagne.

So wissen die meisten Geschäftsreisenden auf den bundesdeutschen Flughäfen bis heute nicht, daß Aero Lloyd auch Linie fliegt. Allenfalls wird gerätselt, welche Airline sich wohl hinter dem Kürzel YP auf den Anzeigetafeln verbirgt.

Ein schwerer Nachteil für den „Liniendavid“ Aero Lloyd ist das dünne Angebot an Flugfrequenzen. Während Lufthansa den Geschäftsleuten zum Beispiel auf der Strecke Frankfurt-München 17 Flüge bietet, kann Aero Lloyd alle ihre Strecken nur einmal morgens und abends bedienen, zwischendurch sind die Flugzeuge im Chartergeschäft unterwegs.

Bisher weigert sich die Staatsfluglinie, die den Markt mit Großkundenabonnements kontrolliert, die billigeren Aero-Lloyd-Tickets für eigene Flüge umzuschreiben. „Warum sollten wir? Aero Lloyd will den Konkurrenzkampf, und wir sind schließlich keine soziale Einrichtung“, meint dazu ein Lufthansa-Sprecher.

Auch die neue Linie versucht, im Firmengeschäft Fuß zu fassen. Einzelkunden wird empfohlen, sich in Reisebüros, wenn nötig, gemischte Tickets ausstellen zu lassen, zum Beispiel hin mit Aero Lloyd, zurück mit Lufthansa.

Für den Sommerflugplan 1989 hat Aero Lloyd weitere vier neue Jets bestellt. Mit denen will der umtriebige Gradisnik für die Mittagszeit neue Frequenzen einrichten. Genehmigungsverfahren laufen auch für Verbindungen nach Zürich, Paris und London/Gatwick, doch stehen die Chancen für billige Linienflüge nach Gatwick und nach Zürich nicht gut. Schon jetzt sind diese Flughäfen am Rande ihrer Kapazität.

Bogomir Gradisnik bleibt trotz aller Startschwierigkeiten Optimist: „Jeder hat mal klein angefangen, auch die Lufthansa. Wir halten den Kampf ein paar Jahre durch, wenn es sein muß!“ Burkhard Kieker