Von Beatrix Bursig

Hamburg

In einer Ecke auf dem Flur des Altenheimes sitzen zwei Frauen zusammen: Hedwig Kiekbusch und Gisela Bartlewski. Seit etwa zwei Jahren sehen sie sich regelmäßig. Früher haben sich die beiden immer in dem Zimmer getroffen, das Hedwig Kiekbusch mit einer anderen Heimbewohnerin geteilt hat. Aber dann konnte Hedwig Kiekbusch nicht mehr laufen, jetzt sitzt die 91jährige im Rollstuhl. Aus dem Doppelzimmer wurde sie in ein Dreibettzimmer verlegt. Das liegt näher am Aufenthaltsraum. Für das Pflegepersonal ist das Zimmer schneller zu erreichen, aber ungestört ist Frau Kiekbusch nun nie mehr. Immer ist auch eine der anderen Frauen im Raum. Also suchen sie und Gisela Bartlewski ein bißchen Intimität in einer Ecke auf dem Flur. Die hat den Charme öffentlicher Einrichtungen: Ein Tisch steht da, in der Vase Plastikblumen. Mit Besuchern scheint man hier nicht wirklich zu rechnen, denn es gibt nur einen Sessel – und einen Küchenstuhl.

Hedwig Kiekbusch nimmt diese Tristesse nicht wahr. Fast die ganze Zeit hält sie die Hand ihrer Besucherin, streichelt immer wieder ihr Gesicht. Frau Kiekbusch kann sich nur noch kurzzeitig auf ein Gespräch konzentrieren. "Einfach nur dasein", so beschreibt die Hausfrau Gisela Bartlewski ihre Aufgabe. Sie ist der alten Frau bei den kleinen Problemen ein wenig behilflich, für die in der Routine des Heimalltags so oft kein Platz bleibt. "Einmal", sagt sie, "hat Hette mir erzählt, sie könne kaum noch sehen. Es sei so nebelig. Da habe ich ihr die Brille abgenommen und die Gläser saubergemacht."

Sparen an den Schwachen

Vor knapp zwei Jahren hat das Bezirksamt in Hamburg-Altona einen ehrenamtlichen Besuchsdienst für jene alten Menschen eingerichtet, für die sich keiner mehr zuständig fühlt außer dem Amt. Ein solcher Fall ist auch Hedwig Kiekbusch. Zwar hat sie noch Angehörige. Da ist eine Tochter in München. Aber mit über 60 ist sie selbst schon eine alte Frau.

Siebenundzwanzig Besuchshelfer im Alter zwischen 28 und 70 Jahren betreuen derzeit einen alten Menschen im Stadtteil. Einige leben in Heimen wie Frau Kiekbusch, die meisten zu Hause. Der Besuchsdienst soll soziale Einrichtungen und Pflegedienste nicht ersetzen, sondern "alten Menschen wieder zu nachbarschaftlichen Kontakten verhelfen", sagt Jürgen Mowinski vom Sozialamt.