Am vorletzten Tag des alten Jahres, als die Autofahrer gerade darangingen, der höheren Mineralölsteuer durch Volltanken wenigstens noch für einige hundert Kilometer Fahrstrecke auszuweichen, erreichte sie eine neue Hiobsbotschaft. Bonn erwäge, so war in den Zeitungen zu lesen, eine Sonderabgabe auf Autos, um die Kosten der Schrottwagenbeseitigung zu decken. Von 200 Mark je Pkw war die Rede.

Wer nicht nur die Überschrift las, erfuhr jedoch, daß eine Zwangsabgabe für Umweltstaatssekretär Martin Grüner keine Traumlösung ist. Einer freiwilligen Vereinbarung zwischen den beteiligten Industrien gebe man, so Grüner, den Vorzug. Und den Betrag von 200 Mark, der von Journalisten genannt wurde, mochte er nicht bestätigen.

Für die Autofahrer ist das freilich kein Trost: Ob es eine Zwangsabgabe gibt, oder ob die Autoindustrie freiwillig einen bestimmten Betrag je Auto zahlt – der Käufer eines neuen Autos wird dafür geradestehen müssen. Dabei bekam er doch früher sogar noch Geld, wenn er nach etwa zehn Jahren seinen fahrbaren Untersatz zum Schrotthändler brachte. Und denen geht es auch heute keineswegs schlecht. Im Gegenteil: Reinhold Berlekamp, der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Schrott-Recycling-Wirtschaft (BDS), gibt unumwunden zu, die Branche habe "nach zwei Hungerjahren wieder Tritt gefaßt". Verdient worden ist dabei auch an den annähernd zwei Millionen Autowracks, die im vergangenen Jahr zu Schrott für die Stahlindustrie aufbereitet worden sind. Freilich stimmte die Kasse nur, weil der Kunststoffmüll aus den Autos gegen vergleichsweise geringe Gebühren auf Hausmülldeponien gekarrt werden durfte. Doch damit soll bald Schluß sein. Altöl und Bremsflüssigkeit sowie mehr als zwanzig verschiedene Chemiewerkstoffe, die beim Autobau verwendet werden, entpuppen sich zunehmend als gefährlicher Sondermüll, der in aufwendiger Handarbeit aussortiert werden muß.

Mittlerweile ist der Kunststoffanteil im Auto schon auf mehr als 25 Prozent gestiegen und macht den Betreibern der großen Shredderanlagen, in denen die Karossen zertrümmert werden, große Sorge. Für die Schrottwirtschaft steht fest, daß die Kosten für Aufbereitung und Müllbeseitigung bald nicht mehr über den Schrottpreis gedeckt werden. Deshalb verlangt sie Zuschüsse, damit auch künftig alle Autowracks beseitigt werden.

Dabei hält sie den "Letztverbraucher" des Autos für die falsche Adresse. Wenn der nämlich dafür zahlen müsse, daß er sein Fahrzeug bei einem Schrottbetrieb loswerde, wachse die Gefahr, daß die Wracks irgendwo am Straßenrand abgestellt würden. Wenn vorher Motor- und Fahrgestellnummer unkenntlich gemacht oder entfernt werden, ist die Gefahr der Entdeckung relativ gering.

Der Schrottwirtschaft schwebt statt dessen vor, daß die eigentlichen Verursacher – Automobil-, Kunststoff- und Gummiindustrie – einen "namhaften Betrag von vielen, vielen Millionen" (Berlekamp) den Shredderbetrieben als Zuschuß zufließen lassen. Wieviel es sein muß, darüber wird zwischen den Verbänden derzeit verhandelt. Und das Kind hat auch schon einen Namen: "Entsorgungsbeitrag". Den unfeinen Begriff "Schrottabgabe", der nach Grüners Pressekonferenz durch die Gazetten geisterte, hält Schrottverbands-Geschäftsführer Rolf Willeke für "völlig falsch".