Ein merkwürdiges Arrangement: Eine amerikanische Tragödie (nach dem preisgekrönten Roman von William Kennedy), von einem Argentinier für ein großes amerikanisches Studio inszeniert – mit einem Brasilianer an der Kamera. Wie ein verwegener Coup wirkt das. Als seien nur durch fremde, distanzierte Blicke die eigenen, allzu nahen, allzu vertrauten Geschehnisse deutlicher zu konturieren.

Die Strategie dabei ist klar. Die Stars aus Hollywood sichern ab, mit allem Drumherum: mit glamourösen Auftritten, vielen Großaufnahmen und pompösen Monologen. Ein Wagnis aber bleibt das Thema: eine Charakterstudie, der Versuch eines Psychogramms, das seine Zeit bezeugt: die "Große Depression" gegen Ende der dreißiger Jahre. Erzählt werden zwei Tage und zwei Nächte aus dem Leben eines Taugenichts, der die Gespenster seiner Vergangenheit nicht los wird. Früher einmal hatte er alles: Familie, Haus, Erfolge beim Baseball. Aber das ist 22 Jahre her.

Nun ist Francis Phelan (Jack Nicholson) nur noch ein Wrack, versoffen, zerlumpt, verdreckt: kein Hobo, sondern ein Tramp, ein "Penner". As the curb was his pillow, the street was his bed.

Anfangs sieht man ihn mit einem "Kumpel" auf dem Friedhof, wo er sich ein paar Dollar für eine "Pulle" verdient. Nach getaner Arbeit geht er zum Grab seines Kindes. "Ich hab’ Dich nicht fallen lassen, weil ich betrunken war." Seine Erinnerung wird zur Qual. "Meinst du denn, jetzt... könnte ich endlich anfangen, das alles zu vergessen?"

Ein toter Mann und ein totes Kind, das sind seine Gespenster. Ein Steinwurf, der einen Mann am Kopf traf, und ein Unfall, als ihm sein Baby aus den Windeln rutschte und unglücklich auf den Fußboden fiel, damit wird er nicht fertig. Seitdem treibt es ihn ziellos umher.

Fast immer an seiner Seite: Rudy (Tom Waits), der sich selbst "ruhelos" nennt, von Darwin und Isaac Newton redet und weiß, wo die Milchstraße liegt. Und Helen (Meryl Streep), die Klavier spielt und in die Kirche geht, nie etwas ißt und bei Francis bleibt, obwohl sie weiß, daß sie so "nie auf’n grünen Zweig" kommt.

Ganz sprunghaft, ganz widersprüchlich sind sie – im Tun wie im Reden: "Eine Frau zum Abgewöhnen", die ihm "schon seit neun Jahren auf die Eier" geht, nennt Francis seine Helen einmal. Um sie dann, nur ein paar Sekunden später, leidenschaftlich anzuflehen: "Bitte geh’ nicht weg von mir; ich wäre sonst verloren in der Welt."