Von Heidi Ganser

So eindrucksvoll, als wollte jedes Land zeigen, was es an prächtiger Bergwelt zu bieten hat, liegen sie da aufgereiht: die sanftgeschwungenen Karawanken, die markanten Gipfel der Julischen Alpen, die Karnischen Alpen und die Tauernkette. Oben am "Dreiländereck" im kärntnerischen Arnoldstein weist ein Denkmal auf die Besonderheit des 1509 Meter hohen Skibergs hin: Hier treffen sich die Grenzen von Österreich, Italien, Jugoslawien.

Sollen wir nun mit unserem "3-Länder-Skipaß" nach Slowenien oder nach Friaul hinunterfahren? Nichts geht. Die Pisten führen vom Dreiländereck schnurstracks wieder nach Arnoldstein zurück. Warum dann die Show mit dem "3-Länder-Skipaß"? "Skivergnügen ohne Grenzen – das Flair von drei Ländern" verspricht großmundig der Prospekt. Zugegeben, "a bisserl Schmäh" ist bei dieser Werbung schon dabei. Denn so ganz "grenzenlos" ist der west-östliche Skispaß nämlich nicht.

Die Idee, sich zu einem größeren Skiverbund zusammenzutun, so wie es heute alpenweit üblich ist, wurde in den drei Grenzregionen schon lange diskutiert. Im Winter 1986/87 war es dann soweit: Mit dem "Int. 3-Länder-Skipaß" können Wintersportler drei verschiedene Skireviere nutzen.

Anlaß für das völkerverbindende Kärtchen war der Wunsch, endlich einmal über die eigenen Landesgrenzen hinaus bekannt zu werden. "Wir müssen Slowenien und Kärnten in unserem Angebot mitvermarkten", meinten Anfang 1984 im nüchternen Funktionärsjargon italienische Touristiker.

Was nützen schließlich die schönsten Skiberge, wenn nur wenige davon wissen? Und, Hand aufs Herz, wer kennt schon Wintersportorte wie Arnoldstein oder Verditz? Wer kennt die Villacher oder Gerlitzen Alpe? Im italienischen Tarvisio hat der eine oder andere Urlauber vielleicht mal einen Einkaufsstopp gemacht, nach Sella Nevea aber verirren sich nur selten deutsche Skifahrer. Kranjska Gora schließlich gilt mit seinen 18 Liften und fast 30 Abfahrtskilometern zwar als bedeutendstes Wintersportzentrum Jugoslawiens, ein Wunschziel für ausgedehnte Skiferien ist es aber kaum.

Als "Ski-Region 3" sind die Orte nun zu einem "Großraum" gewachsen. Mit flugs addierten 90 Aufstiegshilfen und rund 120 Pistenkilometern zauberte man aus mehr oder weniger aufregenden Revieren ein "Angebot für Winter-Feinschmecker". Und damit kein Pistengourmet zum Abfahrtskilometer-Vielfraß wird, haben die Skipaß-Initiatoren den Ausweiskäufern gleich einen Ruhetag "zwangsverordnet": Mit dem Siebentagekärtchen darf man nur sechs Tage lang skifahren. Im Preis eingeschlossen ist die Fahrt mit dem Skibus, der an festgelegten Tagen die einzelnen Ziele ansteuert. Am jugoslawischen Schlagbaum ist der Paß, an der italienischen Grenze der Personalausweis zu zeigen. Außerdem kann die "Ski-Region 3" eine Besonderheit für sich verbuchen: Kein einziges Skigebiet ist mit dem anderen durch eine Bergbahn oder einen Lift verbunden.