Der Mann, die Sportlerin, das Auto des abgelaufenen Jahres – sie stehen fest. Von den Kandidaten und Exemplaren, die in den kommenden zwölf Monaten das Rennen machen, kennen wir bereits einen Namen: die deutsche Eiche. Waldschützer wählten sie für 1989 zum Baum des Jahres.

Ein neuer Höhepunkt in der kulturgeschichtlichen Karriere dieses knorrigen Naturstücks: Verwegenen altgermanischen Kriegern galten Kränze aus ihrem Blätterwerk so viel wie Königskronen; tapfere junggermanische Landser ließen sich mit Eichenlaub dekorieren. Im Mittelalter halfen ihre Zweige gegen die Pestilenz, im Vaterländischen Krieg gegen die Franzosen. Als Nationalgewächs wucherte sie im Deutschen Reich, als rassereiner Stammbaum in der Nazizeit, als Wohlstandspflänzchen auf den Münzen nach der Währungsreform 1948. Vierzig Jahre danach steht sie auf der botanischen Bestsellerliste – und auf der Roten Liste gefährdeter Arten.

Es war der Mönch Bonifaz, der einst die sakrosankte Donareiche fällte und die Heidenkinder zu Christenmenschen unterzog. Heute droht dem deutschen Ur- und Wesensbaum die stille Rodung durch allerlei Umweltgifte. Die Naturfreunde, die die Eiche auserkoren haben, hoffen, daß nun ihr Siechtum daran gemahnt, die ökonomische Vermessenheit durch ökologische Vernunft zu ersetzen. ill